Fundobjekt

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Ofenkachel mit Wappen

Gemarkung: Leipzig Innenstadt (Leipzig, Leipzig Stadt)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1540 - 1547 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:
Die unglasierte Ofenkachel (Schrühbrand) zeigt das gevierte Kurwappen – Herzogtum Sachsen, Landgrafschaft Thüringen, Pfalzgrafschaft Sachsen, Markgrafschaft Meißen – der sächsischen Ernestiner mit den gekreuzten Kurschwertern im kleinen Herzschild. Über dem Wappen zwischen zwei geflügelten Hörnern ein Helm mit einer stark stilisierten Decke, bekrönt von dem Rumpf eines Mannes, dessen Mütze mit einer Quaste aus Pfauenfedern (sog. Pfauenstoß) geschmückt ist. Das Wappen ist in eine Säulenarkade mit kassettiertem Bogen eingestellt. In den oberen Zwickeln befinden sich kleine fünfblättrige Blüten, auf der Schwelle drei größere, sechsblättrige Blüten. Die Kachel bzw. das Model datiert spätestens in das Jahr 1547: In dem Leipziger Vertrag war 1485 die Teilung des wettinischen Besitzes auf die Ernestinische Linie und die Albertinische Linie vereinbart worden, wobei die Kurwürde an die Ernestiner ging. In der Wittenberger Kapitulation musste Johann Friedrich I. 1547 wegen seiner maßgeblichen Beteiligung am Schmalkaldischen Bund den Kurkreis an seinen Cousin abtreten, Herzog Moritz von Sachsen aus der Albertinischen Linie.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Wilhelm-Leuschner-Platz, ehemals Königsplatz 1 | L-113

Fundstellen-Beschreibung:
Die Bebauung am Wilhelm-Leuschner-Platz (1839–1945 Königsplatz) wurde 1943 zerstört. Nach der Beräumung der Ruinen wurde eine Grünanlage bzw. ein Parkplatz angelegt. Der Bau einer Haltestelle des City-Tunnels machte von August 2004 bis Januar 2005 Ausgrabungen notwendig. Im östlichen Hofbereich des Grundstücks Königsplatz 1 [Schnitt 2] wurden im November 2004 mehrere Abwurfgruben untersucht, die dem Töpfermeister Donat Meyer (Leipziger Bürger seit 1541; † 1546/47) zugewiesen werden können.

Fundstellen-Typ:
Keramikproduktion

Befund

Befund-Beschreibung:
69 [Schnitt 2]: Die unregelmäßig-längliche, etwa 4,35 m (West - Ost) zu 2,5 m große und etwa 2,5 m tiefe Grube mit geböschten Wandungen war in den gewachsenen Boden (Sand) eingetieft. Die Verfüllung bestand im unteren Bereich aus gelblichem, leicht schluffigem Feinsand mit grauen Lehmlinsen. Darin eingelagert waren zahlreiche Schrühbrände und glasierte Fragmente von Haushaltsgeschirr und Ofenkacheln, darunter auch einige vollständige Stücke, außerdem Tierknochen und Baumaterial (Backsteine).

Fundzusammenhang:
Die Kachel wurde aus dem unteren Bereich der Grubenverfüllung geborgen.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,21mm

Literatur

Peter Hiptmair, Ungedruckter Abschlussbericht L-113 „Wilhelm-Leuschner-Platz“ [Schnitt 2] im LfA (ohne Ort 2005) 3.
Peter Hiptmair, Leipzig, Leuschnerplatz – ein historisch-archäologischer Abriss. Frühes Töpferhandwerk vor den Toren des alten Leipzigs. Archæo 2, 2005, 24–26 Abb. 7 links.
Martina Wegner, Sächsische Ofenkeramik der frühen Neuzeit. Produktion und Bildmotive sowie deren Ausbreitung am Beispiel der Töpfereiabwürfe vom Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig. Ungedr. Diss. Univ. Bamberg (Bamberg 2019) 115 Abb. 46,1 Kat. 38.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen | AAS:00262094

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