Fundobjekt

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gemodelte Figur

Gemarkung: Plauen (Plauen, Vogtlandkreis)
Datierung: Mittelalter | Spätmittelalter | 1400 - 1500 v. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Sakraler Gegenstand, Figurale Plastik

Objektbeschreibung:
Die Figurine aus heller Irdenware zeigt die mit einem Model geformte Büste einer Frau mit langen gelockten Haaren und einer niedrigen dreizackigen Krone in Frontalansicht. Die Frisur ist von einem schwach eingeritzten Quadratgittermuster umgeben, das den zeitgenössisch-modischen Kruseler, einen stark gefalteten Schleier, darstellen soll und teilweise alt abgebrochen ist. Die runde Mulde im Bereich des Rumpfes könnte für die Aufnahme einer Reliquie oder einer Münze (Patenpfennig) bestimmt gewesen sein. Eventuell war die ebene Rückwand aber auch bemalt. Die Rückseite der Figurine ist glatt. Auf der Unterseite ist ein wenige Millimeter großes, rundes Loch angebracht, das entweder von einem Holzstäbchen bei der Herstellung stammt oder aber der Halterung diente. Ob es sich bei der dargestellten Frau um die hl. Barbara oder um Maria handelt, lässt sich nicht angeben.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Schloss der Vögte | PL-72

Fundstellen-Beschreibung:
Die Vögte gründeten um 1250 auf dem Bergsporn zwischen Syra und Weißer Elster eine Burg, die das Verwaltungszentrum des sächsischen Vogtlandes wurde und 1570 an die Herzöge von Sachsen gelangte. Ein Großteil der Gebäude wurde 1945 zerstört. Der Freistaat Sachsen sanierte das von 1852 bis 2007 als Gefängnis genutzte Bauensemble für die Staatliche Studienakademie Plauen. Von März 2014 bis Februar 2015 fanden Ausgrabungen auf dem Areal statt, bei denen u.a. eine Planierungsschicht untersucht wurde.

Fundstellen-Typ:
Burg

Befund

Befund-Beschreibung:
253: Die etwa 10 cm starke Planierungsschicht bestand aus dunkelbraunem bis bräunlich-grauem, schluffig-lehmigem Feinsand. Sie enthielt Holzkohle-Partikel, kleinere verziegelte Lehmstücke und Dachschieferfragmente. Die Schicht überlagerte eine Brandschuttschicht, die vermutlich mit dem Hussitenüberfall von 1430 in Verbindung steht. Der Laufhorizont datiert in das mittlere 15. Jahrhundert.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 125mm | Streifenlicht | 0,06mm

Literatur

Jörg Wicke, Ungedr. Grabungsbericht Schloß der Vögte zu Plauen (PL-72) im LfA (Dresden 2016) 77 Abb. 37 Mitte.
Walter Bachmann, Das alte Plauen. Ein Beitrag zur Inventarisation der Bau- und Kunstdenkmale (Dresden 1954) 51–71.
Eveline Grönke/Edgar Weinlich, Mode aus Modeln. Kruseler- und andere Tonfiguren des 14.–16. Jahrhunderts aus dem Germanischen Nationalmuseum und anderen Sammlungen. Wissenschaftliche Beibände zum Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 14 (Nürnberg 1998) 40–43; 132–135; 168–170 Taf. 19–21.
Jörg Wicke/Alexander Heckendorff/Thies Evers/Marcel Dallinger/Stefan Krabath, Das Schloss der Vögte in Plauen. Archäologische Bauforschung im neuen kulturellen Zentrum. Archæo 11, 2014, 15 Abb. 15 rechts.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen | AAS:00323923

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