Fundobjekt

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Tischwasserbecken

Gemarkung: Leipzig Innenstadt (Leipzig, Leipzig Stadt)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1540 - 1600 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Becken

Objektbeschreibung:
Von dem rechteckigen Wasserbecken aus heller Irdenware ist etwa die Hälfte erhalten. Das Stück weist auf den drei Seiten mit figürlichen Reliefs eine dunkelgrüne Bleiglasur auf; die weitgehend verlorene Rückseite ist materialsichtig belassen. Der Kasten war zur Aufstellung auf einem Tisch vorgesehen, mit der Rückseite gegen eine Wand. Auch die Innenseite ist vollständig glasiert. Das Bildfeld der breiten Vorderseite zeigt eine Edelfrau mit Stirnreif, pelzgesäumtem Wams und langem Rock. Die Hände sind vor dem Bauch zusammengelegt. Auf dem Boden zwischen ihren Beinen ist ein plastischer Löwenkopf appliziert, dessen Maul eine Durchbohrung als Auslassöffnung des Beckens aufweist. Über dem Rundbogen und dem profilierten Gebälk befanden sich ursprünglich zwei Halbkreise mit Rosettenfüllung, zwischen denen ein bärtiger Männerkopf hervorschaut. Auf der linken Schmalseite ist eine schreitende, nackte Frau mit einem schleierartigen Umhang dargestellt, die mit beiden Händen einen Dolch mit der Spitze nach oben vor ihre Brust hält. Es handelt sich um Lucretia, die der frührömischen Mythologie zufolge nach einer Vergewaltigung Suizid begangen hat. Auf dem Sockelstein sind noch Fragmente der Inschrift [LU]CRECI[A] zu erkennen. Dieses Bildfeld wird von zwei schräg kannelierten Viertelsäulen eingefasst; über dem Gebälk befindet sich zwischen zwei Eckakroterien eine zur Hälfte erhaltene, halbkreisförmige Rosette. An der oberen linken Ecke ist ein abwärts gebogener Griffzapfen angebracht.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Zentrum des ehemaligen Sachsenplatzes, ehemals Katharinenstraße 16 | L-71

Fundstellen-Beschreibung:
Die Bebauung in dem Quartier zwischen Brühl, Katharinenstraße, Reichsstraße und Böttchergasse wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Trümmer wurden beräumt und auf dem Areal der Sachsenplatz neu geschaffen. Die Stadt Leipzig errichtete das Museum der Bildenden Künste in der Mitte des Platzes. Vorher erfolgten von März bis September 1999 Ausgrabungen auf dem Gelände. Im Innenhof des Grundstücks Katharinenstraße 16 wurde im Juni 1999 eine Latrine untersucht.

Fundstellen-Typ:
Latrine

Befund

Befund-Beschreibung:
402: Mittelgroße Latrinengrube ohne (erhaltene) Aussteifung. Der obere Bereich war durch einen modernen Rohrgraben gestört. Die inhomogene Verfüllung bestand überwiegend aus dunkelbraunem, sandigem Lehm mit Holzkohle-Partikeln. Offenbar sind mehrere Latrineninhalte unterschiedlicher Zeitstellung sukzessive in die große Grube eingebracht worden.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,21mm

Literatur

Stefan Koch/Stefan Kirchberger, Ungedruckter Abschlussbericht L-71 im LfA [Leipzig 1999] 18.
Stefan Krabath, Die Entwicklung der Keramik im Freistaat Sachsen vom späten Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Ein Überblick. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 57 (Dresden 2012) 73 Abb. 57 rechts hinten.
Sonja König, Wandbrunnen – Wasserblasen – Wasserkästen. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 57 (Dresden 2012) 431–472.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen | AAS:00278269

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