Fundobjekt

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Kachelmedaillon

Gemarkung: Leipzig Innenstadt (Leipzig, Leipzig Stadt)
Datierung: Neuzeit | Moderne | 1878 - 1910 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:
Die scheibenförmige Reliefkachel mit weißer, krakelierter Glasur zeigt die Allegorie der Industrie in einem profilierten Rahmen. Im Vordergrund sitzt die weibliche Gestalt in antikem Gewand auf einem Podest. In ihrer linken Hand hält sie einen Kranz, mit der rechten eine Deckelvase auf dem Schoß. Zu ihrer Linken lehnen Zahnrad, Zange, Hammer und Amboss. Im Hintergrund prägen Fabrikgebäude mit qualmenden Schornsteinen die hügelige, baumbestandene Landschaft. Zusammen mit dem Viadukt samt Dampflok links – wohl eine Anlehnung an die Sachzeugen ingenieurtechnischer Meisterleistung und deutscher Eisenbahngeschichte im Königreich Sachsen – kann ein sächsisch-lokaler Bezug vermutet werden. Um die Rückseite der Kachel verläuft eine Zarge, auf der außen die Ziffern 17 und 26 eingetieft und an der etwa im Bereich der vier Scheitelpunkte kurze Stützen nach innen angesetzt sind. Solche Medaillons dienten als Blickfänger von ansonsten schlichten Öfen mit eckigen, fliesenartigen Kacheln. Im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) erlebte die seit der Antike als Veranschaulichung eines Begriffs verwendete Allegorie ihre letzte Blütezeit in bildender Kunst und Kunstgewerbe. Mit ihr versuchte man, neue, zeitgenössische, auch nüchterne Inhalte wie den Fortschritt in Technik, aber auch die Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft in die Tradition der Antike als kulturelles Vor- und Leitbild zu setzen und künstlerisch zu überhöhen.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Richard-Wagner-Straße/Am Brühl, „Hotel Stadt Leipzig“ | L-06

Fundstellen-Beschreibung:
Im nach 1945 eingeebneten Bereich um das „Hotel Stadt Leipzig“ (1964–1992) im Nordosten der Innenstadt fand von August 1993 bis April 1994 eine Rettungsgrabung statt. Die Parzellenstreifen als alte Grundstücksgrenzen wiesen Hauptgebäude am Brühl und Hinterhöfe nach Norden auf. Die Vorderhauskeller waren im 19. Jahrhundert neu überbaut und weitergenutzt worden. Nicht unterkellerte Flächen erbrachten mittelalterliche und neuzeitliche Strukturen. Der Brühl gilt als Wiege des Handelsplatzes Leipzig.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
53: Im kriegsschuttverfüllten Keller vom Haus „Zum blauen Harnisch“, Am Brühl 71, das 1878 von Grund auf neu gebaut worden war, barg man die Überreste von 20 verschiedenen gründerzeitlichen Kachelöfen. Das als einziges Stück vollständig, wenngleich in Bruchstücken überlieferte Medaillon eines weiß glasierten Kachelofens lässt die ehemals sehr gediegene Ausstattung erahnen.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,21mm

Literatur

Fritz Blümel, Deutsche Öfen. Der Kunstofen von 1480 bis 1910. Kachel- und Eisenöfen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (München 1965).
Hans Geisler/Gerhard Graf, Die Ausgrabung Leipzig – „Hotel Stadt Leipzig“. Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen 2, 1994, 127–129 Abb. 142.
Alfred Meurer, Industrie-und Technikallegorien der Kaiserzeit. Ikonographie und Typologie (Weimar 2014).

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00269744

Eine Wiedergabe ist mit dem Vermerk „© Landesamt für Archäologie Sachsen, Scan/3D-Modell: Thomas Reuter“ gestattet. Die Nutzung für kommerzielle Zwecke ist nicht gestattet.

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