Fundobjekt

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anthropomorph gestaltete Tüllenkanne

Gemarkung: Dresden Altstadt I (Dresden, Dresden Stadt)
Datierung: Mittelalter | Hochmittelalter | 1200 - 1240 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Kanne

Objektbeschreibung:
Die bauchige Tüllenkanne besteht aus rötlich-gelber, hart gebrannter Irdenware. Der breite Standboden des ansonsten unversehrten Gefäßes ist alt ausgebrochen. Auf der Schulter ist eine längliche Tülle angarniert, die von einer Figur mit ausgestreckten Armen „gehalten“ wird. Die Vorder- bzw. Unterseite der Tülle ziert ein eingeritztes Fischgrätenmuster. Der zugehörige, schlicht gestaltete Frauen(?)kopf ist außen auf den kastenförmigen Rand gelegt, der seitlich mit zwei flüchtig eingeritzten Wellenlinien dekoriert ist. Gegenüber des Ausgusses ist ein weiter Bandhenkel angebracht, in dessen Kehlung ein plastischer Zopf aus Irdenware eingelegt. Die Gefäßschulter ist mit einer eingeritzten, unregelmäßigen Wellenlinie zwischen zwei horizontalen, ebenfalls sehr flüchtig ausgeführten Ritzlinien dekoriert. Das anthropomorphe Keramikgefäß, symbolisch mit dem weiblichen Leib gleichgesetzt, könnte als Brautgabe interpretiert werden: Die Jungfrau – der Zopf wurde nach der Eheschließung abgeschnitten – hat als nunmehrige Ehefrau die Aufgabe des Austragens von Kindern. Pointiert wird dieser Gedanke durch die phallusartige Gestaltung der Tülle, welche die Frau mit beiden Händen umgreift.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Neumarkt Quartier VIII/2, Schössergasse 16 | DD-163

Fundstellen-Beschreibung:
Das Quartier VIII östlich des Neumarkts wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, das Gelände nach der Beräumung als Parkplatz genutzt. Vor der Wiederbebauung wurde das Areal von Mai 2007 bis März 2008 archäologisch untersucht. Am nördlichen Innenhofrand des großen Grundstücks Schössergasse 16 („Besesches Haus“) wurde im Bereich einer frühneuzeitlichen Latrine eine nur teilweise erhaltene Grube des frühen 13. Jahrhunderts freigelegt.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
1644: Die mit Holz ausgesteifte Grube, deren Funktion unbekannt ist, besitzt Abmessungen von 0,80 m (West – Ost) zu 0,55 m. Die Verfüllung bestand aus dunkelgraubraunem, sandigem Lehm, welcher Keramik, verziegelte Lehmstücke und Holzkohlepartikel enthielt.

Scanner:
Konica Minolta VI-910 Tele 25mm | Laserscan | 0,35mm

Literatur

Jens Beutmann, Ungedruckter Grabungsbericht DD-163 [Schnitt 1] im LfA (Dresden 2008) 6.
Fabian Gall/Christiane Hemker/Susanne Schöne, Zwischen Schloss und Neumarkt. Archäologie eines Stadtquartiers in Dresden. Archaeonaut 8 (Dresden 2008) 20 Abb.
Christiane Hemker, Seid fruchtbar und mehret euch … Frivole Brautgabe aus einem mittelalterlichen Dresdner Haushalt. Archæo 5, 2008, 30–34.
Stefan Krabath, Die Entwicklung der Keramik im Freistaat Sachsen vom späten Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Ein Überblick. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 57 (Dresden 2012) 63 Abb. 33.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen
AAS:00182303

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