Fundobjekt

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Bergmannskrug

Gemarkung: Dresden Altstadt I (Dresden, Dresden Stadt)
Datierung: Mittelalter | frühe Neuzeit | 1530 - 1560 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Krug

Objektbeschreibung:
Der sogenannte Bergmannskrug ist stark beschädigt. Das Gefäß weist an den erhaltenen Oberflächen überwiegend eine grüne, in geringerem Umfang eine gelbe bzw. violette Bleiglasur auf. Auf der Schulter und an dem hohen Hals sind arbeitende und schlafende Bergleute dargestellt. Um den rundstabigen Henkelansatz windet sich eine Schlange. Der untere, wahrscheinlich durchbrochene Teil um den geschlossenen inneren Behälter des Gefäßes ist nicht erhalten. Lediglich am Fuß des Stückes ist noch ein appliziertes Buch (?) vorhanden. Die Auflagen stellen die Gründungslegende der Bergstadt Annaberg im Erzgebirge dar: Dem Bergmann Daniel Knapp(e) aus Frohnau erschien im Traum ein Engel, der ihm die Stelle einer reichen Silberader am Fuße des Schreckenberges zeigte. Daniel schürfte an der besagten Stelle und wurde tatsächlich fündig. Die Szene ist auch in der Mitteltafel des 1521 fertiggestellten Bergaltars in der Annenkirche dargestellt. Der hier seit 1491 entstandene Ort Annaberg erlebte eine rasche Blüte und wurde 1496 zur Stadt erhoben.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Altmarkt-Westseite, ehemals Webergasse 1, Hofbereich | DD-45

Fundstellen-Beschreibung:
Die Gebäude um den Dresdner Altmarkt wurden im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Die Neubebauung des Areals in den Jahren 1953 bis 1957 nahm auf die historischen Parzellen keine Rücksicht; eine Dokumentation von archäologischen Befunden und Fundbergung waren nur punktuell in den Baugruben möglich. Der Bergmannskrug stammt aus der Verfüllung von Befund 8 (1953) auf der Westseite des Platzes, eines Brunnens im südwestlichen (Hof-) Bereich der ehemaligen Parzelle Webergasse 1.

Fundstellen-Typ:
Brunnen

Befund

Befund-Beschreibung:
8: Der große Brunnen weist einen rundlichen Umriss auf; die lichte Weite beträgt 2,35 m zu 2,10 m, die erhaltene Tiefe etwa 3,70 m. Die Wandungen sind mit Sandsteinquadern und Plänerplatten abgesteift. Der Brunnen mit horizontalen Stützbalken wurde im 15. Jahrhundert angelegt; die Verfüllung erfolgte im späten 17. oder im 18. Jahrhundert. Der Brunnenschacht enthielt Bauschutt und sehr viel Keramik, darunter im oberen und mittleren überwiegend glasierte Stücke, und einige vollständige Gefäße.

Scanner:
Konica Minolta VI-910 Tele 25mm | Laserscan | 0,27mm

Literatur

Harald W. Mechelk, Ungedruckter Abschlussbericht zur Grabung „Altdresden“ [DD-45] im LfA (Dresden 1966) 17, Dokumentation Bl. 464.
Harald W. Mechelk, Stadtkernforschung in Dresden. Forschungen zur ältesten Entwicklung Dresdens 4 (Berlin 1970) 56–58.
Stefan Krabath, Die Entwicklung der Keramik im Freistaat Sachsen vom späten Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Ein Überblick. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 57 (Dresden 2012) 86 Abb. 79,2.
Sabine Wolfram (Hrsg.), In die Tiefe der Zeit. 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Sachsen. Das Buch zur Dauerausstellung (Dresden 2014) 214 f. Abb. 7.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00090591

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