Fundobjekt

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Ofenaufsatz-Figur (Landsknecht)

Gemarkung: Dresden Altstadt I (Dresden, Dresden Stadt)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1530 - 1560 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:
Die beschädigte Figurine aus Irdenware – die Füße sind alt abgebrochen – zeigt einen stehenden Mann. Die Vorderseite des Stückes ist polychrom glasiert: Das Gesicht, die Hände sowie die Strumpfhose sind in hellgrauer, die Augen und der breite Oberlippenbart in schwarzer Farbe gehalten. Den Kopf bedeckt ein schräg aufgesetzter, dunkelbrauner Hut mit einer weiten Krempe. Das dunkelbraune Wams mit hohem Kragen zeigt auf der Brust S-förmige Einritzungen; die zentrale Linie ist mit weißer, die vier seitlichen Kerben mit gelber Farbe ausgelegt. Die weiten Ärmel sind mit einer gelb-braunen Sprenkelglasur überzogen und mit vierblättrigen Rosettenwirbeln in weißer und schwarzer Farbe dekoriert. Die linke Hand liegt auf dem übergroß dargestellten Schwert. Der rechte Unterarm ist horizontal nach vorne ausgestreckt. Die rechte, geschlossene Hand mit einer Durchlochung umfasste ehemals einen vertikal gehaltenen Gegenstand, wahrscheinlich eine Lanze aus Holz. Die im Bereich von Kopf, Brustkorb und Becken ausgehöhlte Rückseite der Statuette ist materialsichtig belassen. Die mit einem Pinsel aufgebrachten Glasurfarben reichen an mehreren Stellen auf die Rückseite. Die Beine werden zur Stabilisierung von einem rechteckigen Steg mit fünf feinen vertikalen Rillen hinterfangen. Es handelt sich um die Aufsatzfigur eines Renaissance-Kachelofens in Gestalt eines Landsknechtes in der bunten Tracht des mittleren 16. Jahrhunderts. Der sogenannte Katzbalger ist das typische Kurzschwert dieser Zeit.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Neumarkt Quartier VIII/1, Schloßstraße 32 | DD-163

Fundstellen-Beschreibung:
Das Quartier VIII auf der Westseite des Neumarkts wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Trümmer beräumt und das Gelände als Brache liegen gelassen. Im Vorfeld der Wiederbebauung wurde das Areal von Mai 2007 bis März 2008 archäologisch untersucht. Im Februar 2008 wurde im Südwesten des Quartiers in dem Hofbereich des Grundstücks Schloßstraße 32 eine Latrine freigelegt.

Fundstellen-Typ:
Latrine

Befund

Befund-Beschreibung:
8086: Die Latrine weist einen rundlichen Umriss mit einer lichten Weite von etwa 2,40 m auf. Die in Lehm gesetzte Einfassung besteht überwiegend aus unterschiedlich großen Sandsteinblöcken in unregelmäßigen Lagen mit ausgleichenden Plänersteinen. Die inhomogene Verfüllung enthielt Keramikfragmente, Asche, Holzkohlepartikel, Ziegel- und Plänerstücke sowie Ofenkacheln. Der südliche Bereich der Latrine war durch eine Kellermauer des mittleren 16. Jahrhunderts gestört.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,19mm

Literatur

Fabian Gall, Ungedruckter Grabungsbericht DD-163 [Schnitt 8] im LfA (Dresden 2008) 17.
Fabian Gall/Christiane Hemker/Susanne Schöne, Zwischen Schloss und Neumarkt. Archäologie eines Stadtquartiers in Dresden. Archaeonaut 8 (Dresden 2008) 14 Abb.
Stefan Krabath, Die Entwicklung der Keramik im Freistaat Sachsen vom späten Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Ein Überblick. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 57 (Dresden 2012) 139 Abb. 165.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00248844

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