Fundobjekt

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Brunnenfigur

Gemarkung: Görlitz (Görlitz, Görlitz)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1590 bzw. 1673/1674
Material: Stein
Fundgegenstand: Kunstgegenstand

Objektbeschreibung:
Der mit einem stark bebuschten Helm, einem weiten Lendenschurz und geschnürten Sandalen nur leicht bekleidete Mann steht mit leichter Ponderation auf einer stark profilierten Plinthe, deren Basis ein korinthisches Rundkapitell mit stark plastischen Akanthusblättern bildet. Mit seiner hoch erhobenen, rechten Hand umfasst er eine Fahnenlanze. An der linken Hüfte trägt er ein Schwert. Die Linke stützt sich auf das Wappen des Kurfürstentums Sachsen. Der sitzende, nach hinten gewendete Löwe im Rücken der Figur deutet darauf hin, dass ursprünglich (bis 1635/1648?) ein Schild mit dem böhmischen Wappen vorhanden gewesen sein könnte. Die Interpretation der lebensgroßen, ritterlichen Aufsatzfigur als hl. Georg oder als Görlitzer Stadtknecht ist umstritten. Die lebensgroße Figur aus Sandstein wurde wahrscheinlich um 1590 geschaffen. Der Bildhauer Johann Anton, der Steinmetz Hans Pfüster und der Maler Johann Geysius arbeiteten 1673/1674 an dem Brunnen. Es ist nicht abschließend geklärt, ob damals die Skulptur lediglich überarbeitet oder nach dem älteren Vorbild neu geschaffen worden ist. Der Dresdner Bildhauer Werner Hempel fertigte 1958 eine Nachbildung der Figur an; das Original befindet sich im Kulturhistorischen Museum.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Obermarkt, Georgsbrunnen

Fundstellen-Beschreibung:
Der Obermarkt wurde im 13. Jahrhundert angelegt.

Fundstellen-Typ:
Brunnen

Befund

Befund-Beschreibung:
Der Georgsbrunnen (auch: Rolandbrunnen) wurde am Ende des 16. Jahrhunderts auf dem Obermarkt vor dem Gasthof Goldener Adler aufgestellt. Der Brunnen wurde 1856 abgebrochen und die Skulptur auf ein neues Brunnenbecken hinter dem Schwibbogen am Klosterplatz transloziert. 1938 wurde der Brunnen hinter die Schwibbögen auf dem Obermarkt versetzt. Schließlich erhielt der Brunnen im Jahr 2000 seinen heutigen Standort in der südöstlichen Ecke des Obermarktes.

Fundzusammenhang:
Die Skulptur steht auf dem Mittelpfeiler des Brunnens.

Scanner:
Artec EVA | Handscanner | 1,03mm

Literatur

Richard Jecht, Der Neptunbrunnen nebst den andern steinernen Kunstbrunnen in Görlitz. In: Neues Lausitzisches Magazin 78, 1902, 271.
Richard Jecht, Geschichte der Stadt Görlitz (Görlitz 1926) 377 Abb. 35; 382.
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler: Sachsen, bearb. von Barbara Bechter u. a. (Dresden 1996) 405.
Sabine Wolfram u. a. (Hrsg.), Sachsen Böhmen 7000. Ausstellungs-Begleitband Staatliches Museum für Archäologie Chemnitz vom 28. September 2018 bis 31. März 2019. Ausstellungskataloge des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz 2 (Chemnitz/Prag 2018) 323 f. Abb. 6.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Brunnen,_Denkm%C3%A4ler_und_Skulpturen_in_G%C3%B6rlitz (5.6.2020).

Eigentümer
Görlitzer Sammlungen für Geschichte und Kultur, Kulturhistorisches Museum Görlitz

Eine Wiedergabe ist mit dem Vermerk „© Landesamt für Archäologie Sachsen, Scan/3D-Modell: Thomas Reuter“ gestattet. Die Nutzung für kommerzielle Zwecke ist nicht gestattet.

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