Fundobjekt

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bemalte Tüllenkanne

Gemarkung: Breunsdorf (Neukieritzsch, Leipzig)
Datierung: Mittelalter | Hochmittelalter | 1120 - 1200 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Tüllengefäß

Objektbeschreibung:
Die gedrungen-bauchige Kanne mit breitem Standboden besteht aus weißer Irdenware. Im oberen Bereich der Schulter sind zwei randständige, breite Bandhenkel angarniert, in der Mitte dazwischen eine beschädigte Ausgusstülle. Die orangefarbene bis rötliche, dünn aufgetragene Bemalung der Schulterzone zeigt einen kammartigen Dekor aus L-förmigen Schwüngen mit zwei bis vier Ausläufern nach links in horizontaler Reihung. Auf der Oberseite der Bandhenkel sind jeweils mehrere tropfenförmige Motive aufgemalt. Der Gefäßtyp und die Bemalung stellen ein Imitat der sogenannten Pingsdorfer Amphoren aus dem Rheinischen Vorgebirge dar, wenn auch der für diese Gefäße charakteristische Wellenfuß fehlt und die Bemalung den älteren Pingsdorfer Erzeugnissen des 10. Jahrhunderts gleicht.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Gehöft Nr. 38, südlich der Kirche | SH-10

Fundstellen-Beschreibung:
Der Ort Breunsdorf wurde durch das Abbaufeld Schleenhain des Großtagebaues Vereinigtes Schleenhain vollständig abgebaggert. Nach der Devastierung des Dorfes wurden von Januar 1999 bis Mai 2001 umfangreiche archäologische Grabungen in der gesamten Ortslage durchgeführt, die zum Nachweis der Entstehung des Straßendorfes aus mehreren Einzelhöfen führten. Im Mai/Juni 1999 wurde auf dem Grundstück Nr. 38 südlich der Dorfstraße ein Brunnen aus der Gründungszeit des Dorfes untersucht.

Fundstellen-Typ:
Brunnen

Befund

Befund-Beschreibung:
2030: Der quadratische Holzkastenbunnen war in den anstehenden, grünlichen Lehm gegraben (2 x 2 x 4 m). Die vier quadratischen Eckpfosten wurden durch eingezapfte Querriegel versteift. Die Wände waren außen mit horizontalen Spaltbohlen verkleidet. Die Hölzer sind dendrochronologisch „nach 1119“ datiert. Der Brunnen wurde um 1200 aufgegeben. Die Verfüllung aus dunkelbraunem, leicht sandigem Lehm enthielt mehrere unversehrte Standbodentöpfe, eine Kanne sowie wenige Tierknochen- und Eisenfragmente.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 200mm | Streifenlicht | 0,21mm

Literatur

Markus Sanke, Die mittelalterliche Keramikproduktion in Brühl-Pingsdorf. Technologie – Typologie – Chronologie. Rheinische Ausgrabungen 50 (Mainz 2002) 70–80; 133 f. Abb. 52a; 186 Abb. 70 oben Taf. 9,1–2 .
Dirk Scheidemantel, Die archäologischen Untersuchungen in Breunsdorf und ihre Auswertung. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Breunsdorf – Ein verschwundenes Dorf im westsächsischen Braunkohlenrevier. Archäologischer Befund und schriftliche Überlieferung. Breunsdorf 3. Veröffentlichungen des Landesamtes für Archäologie 56 (Dresden 2011) 171; 241 Abb. 2.66; 320–322; 418 Abb. 6.4; 437 Taf. 3,3.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00183864

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