Fundobjekt

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Gefäß in Hasenform

Gemarkung: Freiberg (Freiberg, Mittelsachsen)
Datierung: Mittelalter | Spätmittelalter | 1300 - 1350 n. Chr.
Material: Holz
Fundgegenstand: Sonderform, Gefäß, zoomorph

Objektbeschreibung:
Das Objekt ist in Form eines Hasen aus Ahornholz geschnitzt, sauber geglättet und ausgehöhlt. Der Körper ist lang gestreckt, das Vorderteil aufgerichtet. Eine Vorderpfote ist auf der rechten Seite angedeutet. Auf den abgebrochenen Ohren sind außen Inschriften eingeschnitzt, auf dem linken „[JOA]NNES“, auf dem rechten „FIDLER“. Sie sind in gotischen Majuskeln, genauer Unzialen gehalten, deren Ausführung in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts weist. Augen und Nase sind stilisiert wiedergegeben und auf einzelnen Körperpartien – Vorderbrust, seitlichen Brustwänden und Lende – sind Bänder mit pflanzlichen Ornamenten schwach eingeschnitzt. Die nicht überlieferte Kruppe war als aufklappbarer Deckel gearbeitet. Darauf deuten die Bohrung für einen Stift und die Aussparung in der Lendengegend sowie der Stiftrest am Körperende hin. Die Interpretation des repräsentativen Behältnisses ist unklar. Der Hase kann als Symbol profan oder sakral, dabei negativ oder positiv gedeutet werden. Er kann für Wollust und Unreinheit, aber auch Auferstehung, Lebenskraft und Fruchtbarkeit stehen. Letzteres lässt die Ansprache des Objekts als geeignetes Hochzeitsgeschenk zu. Vielleicht sollte es Schmuck oder aber Salz aufbewahren. In seiner qualitätvollen Gestaltung wäre es dem kostbaren Salz ein angemessenes Gefäß gewesen und das Material Holz hätte die Trockenhaltung des begehrten Würz- und Konservierungsmittels begünstigt. Man könnte mutmaßen, dass Johannes Fidler das Stück besaß oder verschenkte.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Freiberg, Berggasse 5 | FG-172

Fundstellen-Beschreibung:
Die Berggasse befindet sich im östlichen und ältesten Teil der Freiberger Altstadt, im Jakobiviertel (auch Sächsstadt). Es war etwa 1170 um die alte Jakobikirche als Bergleutesiedlung angelegt worden und hatte von Beginn an städtischen Charakter besessen. In der Berggasse fanden sich Gruben und ein verfüllter Altbergbauschacht. Bei Untersuchungen in einer Baugrube 1986 entdeckte der damalige Kreispfleger Andreas Becke in einer Faulschlammablagerung Keramik des 14. Jahrhunderts und Holzfunde.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 200mm | Streifenlicht | 0,13mm

Literatur

Gerd Heiz-Mohr, Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst (München 1988) 127 f.
Arndt Gühne, Stadtarchäologie in Freiberg. Holzfunde. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden 22 (Berlin 1991) 19; 56–58; 95 Abb. 31 Taf. 9.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00058677

Eine Wiedergabe ist mit dem Vermerk „© Landesamt für Archäologie Sachsen, Scan/3D-Modell: Thomas Reuter“ gestattet. Die Nutzung für kommerzielle Zwecke ist nicht gestattet.

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