Fundobjekt

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Verzierter Krug

Gemarkung: Bad Muskau (Bad Muskau, Görlitz)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1660 - 1690 n. Chr.
Material: Steinzeug
Fundgegenstand: Krug

Objektbeschreibung:
Der fast vollständig erhaltene gehenkelte Steinzeugkrug ist birnenförmig und besitzt eine oxidierend gebrannte, salzglasierte, braune Oberfläche. Die leicht einziehende Mündung des profilierten Randbereichs, deren verzogener Zustand die Deutung des Fundstücks als Ausschuss bekräftigt, wurde zur Aufnahme eines Zinndeckels gedreht. Dieser wäre im Loch, das sich im oberen Ansatz des von unterhalb der Randzone bis zum Bauch führenden Henkels findet, gegen Verrutschen befestigt worden. Den Korpus, dessen hoher, zylindrischer Hals sanft in Schulter und ausladenden Bauch übergeht, überzieht ein floraler Ritzdekor mit dunkler Bemalung auf kreuzgeritztem Grund. Davon durch einen horizontalen Dekorstreifen abgegrenzt ist die breite, schräg kannelierte Fußzone, der sich ein planer, abgesetzter Standboden mit konzentrischen Abschneidespuren anschließt. Der Krug war als qualitätsvolles Schank- und Tischgeschirr gedacht. Bad Muskau gehörte zu den wichtigsten Produktionsstätten barocken Steinzeugs in Mitteldeutschland. Der forschungsbedingte Verbreitungsschwerpunkt liegt in der Ober- und Niederlausitz zwischen Oder und Elbe. Ein überregionaler Absatz ist bis an die Ostseeküste und in die habsburgische Monarchie nachweisbar.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Kirchstraße 3 | BM-34

Fundstellen-Beschreibung:
Auf dem Hanggrundstück südlich des Stadtkerns wurden 2013 im Vorfeld des geplanten Grundstücksverkaufs drei kleine Suchschnitte angelegt, die mehrere Tausend Keramikfragmente des 17./18. Jahrhunderts ans Tageslicht brachten. Mithilfe dieser mutmaßlichen Fehlbrandschüttungen hatte man den Hang stabilisiert, um Terrassen für den Gemüseanbau anzulegen. Laut Schriftquellen waren auf der Parzelle von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis 1880 Töpfer tätig gewesen, um 1700 die Familie Kerstan.

Fundstellen-Typ:
Töpferei

Befund

Befund-Beschreibung:
Lesefund aus Töpfereiabwurfhalde

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,19mm

Literatur

Anna Bober-Tubaj/Barbara Glinkowska (Hrsg.), Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik. Funde des 15.–17. Jahrhunderts aus einem mitteleuropäischen Zentrum der Töpferei (U źródeł Bolesławieckiej ceramiki. Bolesławiec jako jeden z ośrodków garncarstwa środkowoeuropejskiego od XV do XVII w) (Jelenia Góra 2012).
Helga Heinze/Holger Klein/Stefan Krabath, Eine barocke Töpferei in Bad Muskau. In: Christoph Rinne/Jochen Reinhard/Eva Roth Heege/Stefan Teuber (Hrsg.), Vom Bodenfund zum Buch. Archäologie durch die Zeiten. Festschrift für Andreas Heege. Historische Archäologie, Sonderband 2017 (Bonn 2017) 381 Abb. 3,6.
Helga Heinze/Holger Klein/Stefan Krabath, Muskauer Steinzeug. Handwerk und Industrie (Görlitz 2019) 340 Kat. 83.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen | AAS:00354114

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