Fundobjekt

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Grün glasierte Rapportmusterkachel

Gemarkung: Löbau (Löbau, Görlitz)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1560 - 1580 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:
Die quadratische Blattkachel zeigt auf ihrer Vorderseite geschwungene pflanzliche Ornamente, die in ein Gitternetz aus Halb- und Viertelkreisen platziert sind bzw. aus diesen entwachsen. Auf der Rückseite des Kachelblatts haben sich schwache Textilabdrücke des Formtuchs erhalten, das der Töpfer bei der Herstellung der Kachel verwendete. Zudem ist die Rückseite mit einer auf der Töpferscheibe gedrehten Zarge ausgestattet, mit deren Hilfe die Kachel im Ofen vermauert wurde. Den tatsächlichen Einsatz an einem Kachelofen beweisen die rückwärtigen Rußspuren. Die Zusammenstellung von sogenannten Rapportmusterkacheln an einem Ofen ergab ein fortlaufendes teppichartiges Dekor, das auf orientalische Gewebe, aber auch gemusterte Ledertapeten zurückgeht. Letztere haben ihren Ursprung im arabisch-maurischen Spanien und verbreiteten sich über Italien vom Ende des 15. Jahrhunderts an fast in ganz Europa. Kostbare Gewebe und Tapeten konnten sich aber nur sehr wohlhabende Haushalte leisten. Eine preiswerte Möglichkeit, diesen Luxus nachzuahmen, boten eben derartig gestaltete Kacheln, die im Laufe des 16. Jahrhunderts immer beliebter wurden. Vielleicht kommt für das Löbauer Exemplar eine lokale Herstellung infrage. Dies lässt die südlich außerhalb der Stadt gelegene Gemarkung „Am Töpferberg“ vermuten.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Innenhof westlich des Altmarkts | LÖB-01

Fundstellen-Beschreibung:
Im Westen der Altstadt, zwischen ehemaliger Stadtmauer und Altmarkt, liegt der älteste Siedlungsbereich Löbaus. 1994 fand im Innenhof des westlich an den Marktplatz angrenzenden Blocks, eingerahmt von Badergasse und Innerer Bautzener Straße, eine Rettungsgrabung statt. Dabei wurden die vielen Bauphasen dieser Fläche wie die Parzelleneinteilung im Mittelalter erfasst. Von der frühneuzeitlichen häuslichen Einrichtung zeugen Reste mehrerer Kachelöfen.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
5022: Unmittelbar an der inneren Parzellenabschlussmauer wurde eine Grube aufgedeckt, die wahrscheinlich im Zuge von Schachtarbeiten beim Eintiefen einer Latrine entstanden war. Die in der Grube geborgene große Menge Gefäß- und Ofenkeramik war vermutlich nach dem Stadtbrand von 1580 eingebracht worden.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,20mm

Literatur

Brigitte Kazenwadel, Nicht nur das Brot des Bäckers – Öfen in Löbau, Lkr. Sächsischer Oberlausitzkreis. Archäologie aktuell Freistaat Sachsen 2, 1994, 211–215.
Elżbieta Kilarska/Maciej Kilarski, Öfen und Ofenkacheln aus den ehemals preußischen Gebieten Polens. Keramos 133, 1991, 15–38.
Sabine Thümmler, Zur Geschichte des Interieurs mit Goldlederausstattung. In: Michael Eissenhauer (Hrsg.), Goldrausch. Die Pracht der Goldledertapeten. Bearbeitet von Sabine Thümmler und Caroline Eva Gerner. Kataloge der Museumslandschaft Hessen Kassel 37 (Kassel, München 2006) 14–35.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen | AAS:00356268

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