Fundobjekt

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Kiewer Ei

Gemarkung: Meißen (Meißen, Meißen)
Datierung: Mittelalter | Hochmittelalter | 1020 - 1100 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Keramische Sonderformen

Objektbeschreibung:
Erhalten ist der obere Teil eines hohlen Eies mit massiver Wandung. Es trägt eine schwarz-gelbe Glasur, deren horizontale Streifen in regelmäßigen Abständen abwechselnd von oben nach unten und andersherum mit einem dünnen Werkzeug sorgfältig zu einer Art Federmuster verstrichen wurden. Solch extravagant gestaltete Keramikeier wurden zwischen dem Ende des 10. und dem 12. Jahrhundert in Kiew bzw. in frühstädtischen Zentren der Kiewer Rus hergestellt, wo ein entsprechend hoher technologischer Stand durch die Nähe zum byzantinischen Reich zugegen war. Aus Siedlungs-, Burgen- und Grabkontext und meist mit dem Fernhandelsnetz verbundenen Orten sind sie aus Ost- und Ostmitteleuropa bekannt, im Westen neben Meißen auch aus Wallhausen im südlichen Harzvorland und Brandenburg, im Norden aus wikingerzeitlichen Handelsplätzen an der südlichen Ostsee. Die Bedeutung der Eier ist vielschichtig. Im Innern bewahren sie eine kleine Kugel. Als Kinderspielzeug oder Musikinstrument rasselt sie zu leise. Vielmehr lässt sich mit dem gefüllten Ei im Volksglauben ein Abwehrzauber ausführen oder verborgenes Leben darstellen. Das Ei steht religionsübergreifend sowohl in heidnischer als auch christlicher Symbolik für Leben und Hoffnung. Das kostbare Meißner Exemplar war vielleicht Handelsware, ein Mitbringsel oder ein Geschenk. Es erinnert an die heutigen sorbischen Ostereier.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Heinrichsplatz 6 | M-73

Fundstellen-Beschreibung:
Im August 1998 erfolgte auf dem südlich unterhalb der Burg und in Nähe von Triebisch und Elbe gelegenen Grundstück eine Ausgrabung, die neben spätmittelalterlichen Parzellengrenzen die Bebauung des Hochmittelalters zutage förderte. Das Areal am südlichen Rand des mittelalterlichen Meißens war um 1020 erschlossen worden. Gemäß den Funden waren hier Handwerker und Händler ansässig gewesen.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
1155: Nach Abschluss der archäologischen Untersuchungen wurden beim Ausbaggern unter zwei Blockhäusern der Zeit um 1100 zahlreiche Funde aus dem 11. Jahrhundert aus größeren Siedlungsgruben bzw. einer Brandschicht geborgen.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 125mm | Streifenlicht | 0,10mm

Literatur

Ingo Gabriel, Kiewer Ostereier. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 16, 2000, 487–488.
Thomas Westphalen, Kiewer Ei. In: R. Enke/B. Probst (Hrsg.), 800 Jahre Via Regia. Bewegung und Begegnung. Katalog zur 3. sächsischen Landesausstellung (Dresden 2011) 51, Nr. 2/4.
Arnold Muhl, Oktober: Hoffnungsvolles aus Kiew – ein Ei und seine Botschaft. http://www.lda-lsa.de/landesmuseum_fuer_vorgeschichte/fund_des_monats/2014/oktober/ (20.11.2020).
Thomas Westphalen, Bautzen, Meißen und Leipzig im 11. Jahrhundert. Über die Anfänge der Städte in Sachsen. In: Europas kulturelles Erbe in Sachsen im Wandel der Jahreszeiten (Dresden 2018) 46.
Arnold Muhl, Die Hoffnung ist oval – Eine Eirassel aus der mittelalterlichen „Pfalz“ Wallhausen und ihr kultureller Hintergrund. Arch. Sachsen-Anhalt 14, 2018, 70–74.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00058237

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