Fundobjekt

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Stechzirkel

Gemarkung: Klosterbuch (Leisnig, Mittelsachsen)
Datierung: Mittelalter | Hoch- bis Spätmittelalter | 1200 - 1500 n. Chr.
Material: Buntmetall
Fundgegenstand: allg. Fundklasse Werkzeug/Gerät

Objektbeschreibung:
Der kupferlegierte Zirkel besteht aus zwei gegossenen Schenkeln, die am runden Kopfende über einen Niet miteinander verbunden sind. Unter diesem Scharnier befinden sich beidseitig rundliche Fortsätze. Einer der Schenkel ist im oberen Drittel als offener Rahmen gestaltet. Darin fügt sich der andere etwas längere, der an dieser Stelle schmaler, aber massiv ist, ein. Unterhalb der nach unten in einer Schrägen endenden Überlappung sind beide Schenkel an ihrer Außenseite leicht versetzt zweifach gezackt. Zirkel sind seit der Antike als Instrumente bzw. Werkzeuge bekannt. Sie dienen je nach Material und Ausführung der Abstandsbestimmung beim Kartenlesen, z. B. in der Schifffahrt, dem Vorzeichnen auf Metalloberflächen oder mit eingefügtem Stift dem konstruktiven Zeichnen auf Papier und Pergament. Mit einem Stechzirkel konnten auf dem zu beschreibenden Pergament vor dem Ziehen der Linien die Zeilenabstände markiert, also eingestochen werden. So gehörte das Exemplar aus Kloster Buch vielleicht zum Inventar der mutmaßlichen Schreibstube. Bis auf eine eisenhaltige Korrosionsschicht bei Auffindung ist der Zirkel sehr gut erhalten, wonach er wohl nicht weggeworfen wurde, sondern verloren ging.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Kapitelhaus des Zisterzienserklosters Buch | KLC-23

Fundstellen-Beschreibung:
Ende 2005/Anfang 2006 wurde im „Pfeilerraum“ des Kapitelhauses die Absenkung des Fußbodens auf klosterzeitliches Niveau im Zuge einer musealen Nutzung archäologisch begleitet. Der Raum hatte wohl noch vor der Mitte des 13. Jahrhunderts den östlichen Klausurflügel erweitert und vielleicht als Schreibstube dienen sollen, wie die großen Fenster an der Westseite, Reste eines Kamins an der Ostwand sowie Funde – Lesezeichen und Zirkel – vermuten lassen.

Fundstellen-Typ:
Klosteranlage

Befund

Befund-Beschreibung:
Unmittelbar nach der funktionalen Aufgabe des „Pfeilerraums“ im Zuge der Auflösung des Klosters um 1525 wurde eine Planierschicht darin eingebracht. Dies geschah noch vor der Nutzung der Räumlichkeit als Stall. In diese Schicht gelangten auch die mittelalterlichen bzw. klosterzeitlichen Funde.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 125mm | Streifenlicht | 0,05mm

Literatur

Vera Trost, „Drei Finger schreiben, aber der ganze Körper arbeitet …“. Zur Buchherstellung im Mittelalter. In: Josef Kirmeier/Alois Schütz/Evamaria Brockhoff (Hrsg.), Das Kloster Seeon und sein Skriptorium (Lindenberg 1994; Reprint 2010) 104.
Axel Lungershausen, Buntmetallfunde und Handwerksrelikte des Mittelalters und der frühen Neuzeit aus archäologischen Untersuchungen in Braunschweig (Rahden/Westf. 2004) 112 f.
Franziska Koch/Thomas Schmidt, Ergebnisse der Bauforschung und der restauratorischen Bestandsuntersuchung. In: S. Delang/F. Koch/H. Magirius/T. Schmidt, Das Zisterzienserkloster Buch. Arbeitsbericht zur Bauforschung. Arbeitsh. Landesamt Denkmalpfl. Sachsen 9 (Beucha 2006) 62 f.
Eric Müller, Bemerkungen zu einigen Buntmetallfunden aus dem ehemaligen Zisterzienserkloster Buch, Lkr. Döbeln, Sachsen. In: Claudia Theune/Felix Biermann/Ruth Struwe/Gerson H. Jeute (Hrsg.), Zwischen Fjorden und Steppe. Internat. Arch. 31 (Rahden/Westf. 2010) 509–514.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | AAS:00202240

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