Fundobjekt

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Klinge mit geschlitztem Blatt

Gemarkung: Kyhna (Wiedemar, Nordsachsen)
Datierung: Bronzezeit | ältere Aunjetitzer Kultur | 2100 - 1900 v. Chr.
Material: Kupfer
Fundgegenstand: Lanze/Speer, Lanzenspitze

Objektbeschreibung:
Lanzettförmige Klinge mit eingezogenem Ende und gerundeter Spitze. Das Blatt zeigt im unteren Drittel zwei parallele Schlitze und hat einen linsenförmigen Querschnitt. Diese Durchbrechungen liegen in zwei flachen, elliptischen Vertiefungen und wurden mit einem scharfen, keilförmigen Meißel durch die Klinge geschlagen. Anschließend wurden die Schlitze auf der Rückseite versäubert und mit demselben Gerät ebenfalls etwas aufgeweitet. Das Stück zeigt sowohl auf der Oberfläche als auch im metallischen Gefüge deutliche Spuren von Kaltschmieden, was an einigen Stellen zur Rissbildung führte. Als überzeugendste Vergleichsobjekte können geschlitzte Lanzenspitzen aus dem östlichen Mittelmeergebiet, insbesondere der Ägäis, angeführt werden, Parallelen im europäischen Umfeld fehlen ausnahmslos. Die Metallanalysen zeigen jedoch, dass hier kein Importfund vorliegt, da sich der Werkstoff wie auch bei den anderen Gegenständen aus dem Depot am besten mit frühbronzezeitlichem Fahlerzkupfer aus den Alpen in Verbindung bringen lässt. Aus Feuerstein gearbeitete nordische Fischschwanzdolche als Vorbilder sollten wegen der fehlenden Schlitze als Schäftungshilfen nicht herangezogen werden, zumal ein Ideentransfer aus ostmediterranen Hochkulturen durch die etwas jüngere Himmelsscheibe von Nebra für die mitteldeutsche Aunjetitzer Kultur mehrfach belegt ist. In der etwas plumpen Form der Kyhnaer Klinge scheinen fremde Lanzenspitzen und einheimische Glockenbecherdolche als Einzelstück hybrid vereint.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Nordnordwestlich der Kirche

Fundstellen-Beschreibung:
Im Mai 1979 bei Ausschachtungsarbeiten für eine Wasserleitung an einem Wohnhaus am nördlichen Ortsrand von Groß-Kyhna zutage gefördert. Die Fundstelle liegt am östlichen Rand der schmalen Aue des Gienickenbaches.

Fundstellen-Typ:
Depotfund

Befund

Befund-Beschreibung:
Das Depot befand sich in rund 60 cm Tiefe vermutlich in einem bei der Auffindung zerscherbten Gefäß, das möglicherweise von dem Unterteil eines weiteren Gefäßes abgedeckt worden war. Oberhalb des Fundes konnte eine lockere Lage an Feldsteinen beobachtet werden. Werner Coblenz schließt nicht aus, dass eine zweite große Zierscheibe bei der Bergung zerstört worden ist. Der Depotfund enthält an kleineren, teilweise nicht gescannten Schmuckobjekten insgesamt 31 Spiralröllchen und acht oder neun Noppenringe. Dazu kommen noch zwei Armspiralen, die zum Scannen nicht ausreichend formstabil sind.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 125mm | Streifenlicht | 0,06mm

Literatur

Werner Coblenz, Ein frühbronzezeitlicher Verwahrfund von Kyhna, Kr. Delitzsch. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 30, 1986, 37–88 bes. 40.
Sabine Gerloff, Zu Fragen mittelmeerländischer Kontakte und absoluter Chronologie der Frühbronzezeit in Mittel- und Westeuropa. Prähistorische Zeitschrift 68, 1993, 58–102.
Ronald Heynowski/Florian Innerhofer, Das „Goldene“ Zeitalter. In: Sabine Wolfram (Hrsg.), In die Tiefe der Zeit. 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Sachsen (Dresden 2014) 137–139.
Florian Miketta, Der Hortfund von Kyhna und frühbronzezeitliche Kulturkontakte. Berichte zur Archäologie in Rheinhessen und Umgebung 4, 2011, 85–95.
Bernhard F. Steinmann, Kyhna oder Hin und zurück – Zentraleuropa und der Mittelmeerkontakt. In: H. Meller/M. Schefzik (Hrsg.), Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte (Halle/Saale 2020) 174–177.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | 360°
AAS:00073140

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