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Rekonstruktion einer Türurne

Fundort: _Brandenburg (Seddin, Lkr. Prignitz, Land Brandenburg)
Datierung: Bronzezeit | Periode V, Ha B2-B3 | Periode V, Ha B2-B3
Material: Keramik
Fundgegenstand: allg. Fundklasse Bestattung/Beigabe

Objektbeschreibung:

Bei den modernen Grabungen wurden etwas weniger als 25% des Gefäßes geborgen. Der Rekonstruktionsversuch zeigt ein ca. 50 cm hohes Gefäß viergliedriger Form. Das Kopfteil ist flach kugelsegmentförmig und endet vor einem sehr schmalen, nur ganz leicht nach innen geneigtem „Reif“. Im hohen konische Hals sitzt die trapezförmige Türöffnung, die links und rechts von zwei langrechteckigen, jeweils doppelt durchlochten Applikationen mit abgerundeten Ecken begleitet werden. Als Widerlager für die Türplatte dienen jeweils oben und unten im Türschacht aus dem Gefäßkörper herausmodellierte waagerechte schmale „Lippen“, von denen nur zwei sehr kleine Bruchstücke vorhanden sind. Die Türplatte ist ebenfalls trapezförmig. Von ihr liegen nur drei kleine Fragmente vor. Das Unterteil des Gefäßes besitzt eine hohe Schulter und zieht schnell in Richtung Gefäßboden ein. Vom Unterteil fehlen Scherben, um es durchgehend bis zum Boden rekonstruieren zu können. Deswegen beträgt die Genauigkeit der rekonstruierten Höhe des Gefäßes etwa ± 3 cm. Das Gefäß wurde wahrscheinlich in zwei großen Teilen gefertigt und an der Nahtstelle zwischen Hals und Unterteil zusammengesetzt. Auf der rechten Seite des Gefäßes sind Deformationen zu verzeichnen, die durch einen Sekundärbrand entstanden sein können. Das Gefäß weist an allen Teilen ein reiches symmetrisches Rillendekor auf. Soweit bekannt, waren die Rillen nicht mit farbigen Einlagen versehen. Eine Bemalung des Gefäßes ist derzeit nicht nachweisbar.

Jens May

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

_Brandenburg | EXT-09

Fundstellen-Beschreibung:

Gräberfeld Seddin, Fpl. 4 im „Wickboldschen Wäldchen“ mit ursprünglich mehr als einhundert Grabhügeln in zwei Gruppen und Flachgräbern der Perioden V-VI (950-530 v.Chr.). Zwischen der nordwestlichen und der südöstlichen Gruppe befand sich auf einer flachen Erhebung der Grabhügel 1. Dort wurde 1888 ohne archäologische Dokumentationen eine Grabkammer aus Steinen geöffnet und die Grabausstattung entnommen. Eine „Türurne“ aus Ton diente als Leichenbrandbehälter der männlichen Hauptbestattung.

Fundstellen-Typ:

Hügelgrab/Hügelgräberfeld mit Brandgräbern

Befund

Befund-Beschreibung:

Bei den Ausgrabungen 2017-2018 wurde das südöstliche Viertel des 1888 zerstörten Grabhügels untersucht. Er besaß einen Durchmesser von 24,6 m, markiert durch einen Steinring an seinem Fuß. Etwa einen Meter unter der Oberkante des Grabhügels fanden sich insgesamt drei Ringe aus größeren Steinen mit dazwischen liegenden Pflastern aus kleineren Steinen. Fehlende Steine im innersten Steinring und Pflaster dokumentieren den Standort der abgetragenen Grabkammer (Abb. 3). Südöstlich der Grabkammer wurden 1888 in Komplex A Leichenbrand und Keramik aus Gräbern entsorgt, darunter wahrscheinlich auch ein Teil der Funde aus der Grabkammer.

Fundzusammenhang:

Die Türurne stand ursprünglich auf einer Schicht aus Lehm am Boden der achteckigen Grabkammer aus Steinen, die mit einem falschen Gewölbe aus plattigen Steinen abgedeckt war. In der Urne befand sich Leichenbrand und der kleine Kamm aus Bronze. Fast alle anderen Bronzen, wie das Schwert, das Messer und das Tüllenbeil lagen auf oder in der Lehmschicht am Kammerboden. Die Türurne wurde kurz nach ihrer Entdeckung 1888 zerschlagen. Ihre Scherben wurden in der Umgebung verteilt und wieder untergegraben. Bei den Ausgrabungen in den Jahren 2017 und 2018 fanden sich Teile der Türurne auf einer Fläche von ca. 12 m² im direkten Umfeld der ehemaligen Grabkammer (Abb. 3).

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 200mm | Streifenlicht | 0.086mm

Literatur

A. Götze, Hügelgräber bei Seddin, Kreis West-Priegnitz. Nachrichten über deutsche Altertumsfunde 11, 1894, 82–89.
J. May, Eine prächtige Türurne aus dem Grabhügel 1 (1888) im Wickboldschen Wäldchen bei Seddin, Lkr. Prignitz, Brandenburg. Acta Praehistorica et Archaeologica 58, 2026, 1- ???
S. Sabatini, Late Bronze Age long distance exchanges, agency, and the house urn from the so-called Wickbold 1 mound. In: S. Hansen/F. Schopper (Hrsg.), Der Grabhügel von Seddin im norddeutschen und südskandinavischen Kontext. Internationale Konferenz Brandenburg an der Havel 16.–20. Juni 2014. Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 33, 2018, 51–64.
H. Wüstemann, Zur Sozialstruktur im Seddiner Kulturgebiet. Zeitschrift für Archäologie 8, 1974, 67–107.

Eigentümer/Nutzungsrecht

Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

Permalink

https://archaeo3d.de/projekte/2025-12-01-tr-tuerurne-0001/

Zitat des Beitrags / Citation

Jens May, Rekonstruktion einer Türurne. In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | 3D (07.07.2026). https://archaeo3d.de/projekte/2025-12-01-tr-tuerurne-0001/

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