| Weite | |
|---|---|
| Höhe | |
| Tiefe |
Ideal-Rekonstruktion der Türurne ohne Tür (3D-Modellierung)
| Fundort: | _Brandenburg (Seddin, Lkr. Prignitz, Land Brandenburg) |
|---|---|
| Datierung: | Bronzezeit | Periode V, Ha B2-B3 | Periode V, Ha B2-B3 |
| Material: | Keramik |
| Fundgegenstand: | allg. Fundklasse Bestattung/Beigabe |
Objektbeschreibung:
Der hohe Grad der Fragmentierung, die wenigen für die Rekonstruktion zur Verfügung stehenden Tonscherben, die Deformationen des Gefäßes durch den vermutlichen Sekundärbrand an der rechten Seite sowie die unzureichende Erkennbarkeit der Details des Türverschlusses und die ungenügende Lesbarkeit der Dekore lassen eine Ideal-Rekonstruktion des Gefäßes wünschenswert erscheinen. Bei dieser Art der Rekonstruktion werden alle ermittelten Problemzonen bewusst egalisiert und die Dekore harmonisiert. Das Modell zeigt die Türurne ohne die bronzenen Stabriegel und ohne die Türplatte. Deutlich wird nun die eigentliche Türöffnung, die links und rechts von den langrechteckigen, jeweils doppelt durchlochten Applikationen als „Türpfosten“ begleitet werden. Oben und unten im Türschacht dienen auf den Positionen von „Türsturz“ und „Türschwelle“ aus dem Gefäßkörper herausmodellierte schmale Lippen als Widerlager für die Türplatte. Sie verhindern das Hineinrutschen der Türplatte in das Innere des Gefäßes. Soweit derzeit zu erkennen, ist diese reduzierte Verschlusstechnik an keiner anderen Türurne bezeugt. Versuche mit analogen Nachbauten der Türsituation zeigen, dass die Türplatte in der Türöffnung wegen des zu großen Abstands zu den beiden Stabriegeln wahrscheinlich laut geklappert hat. Ob dies gewollt war, oder durch das Einlegen eines Textils oder von Leder gedämpft wurde, kann nicht gesagt werden.
Jens MayFundstelle
Fundstellen-Ort:
_Brandenburg | EXT-09
Fundstellen-Beschreibung:
Gräberfeld Seddin, Fpl. 4 im „Wickboldschen Wäldchen“ mit ursprünglich mehr als einhundert Grabhügeln in zwei Gruppen und Flachgräbern der Perioden V-VI (950-530 v.Chr.). Zwischen der nordwestlichen und der südöstlichen Gruppe befand sich auf einer flachen Erhebung der Grabhügel 1. Dort wurde 1888 ohne archäologische Dokumentationen eine Grabkammer aus Steinen geöffnet und die Grabausstattung entnommen. Eine „Türurne“ aus Ton diente als Leichenbrandbehälter der männlichen Hauptbestattung.
Fundstellen-Typ:
Hügelgrab/Hügelgräberfeld mit Brandgräbern
Befund
Befund-Beschreibung:
Bei den Ausgrabungen 2017-2018 wurde das südöstliche Viertel des 1888 zerstörten Grabhügels untersucht. Er besaß einen Durchmesser von 24,6 m, markiert durch einen Steinring an seinem Fuß. Etwa einen Meter unter der Oberkante des Grabhügels fanden sich insgesamt drei Ringe aus größeren Steinen mit dazwischen liegenden Pflastern aus kleineren Steinen. Fehlende Steine im innersten Steinring und Pflaster dokumentieren den Standort der abgetragenen Grabkammer (Abb. 3). Südöstlich der Grabkammer wurden 1888 in Komplex A Leichenbrand und Keramik aus Gräbern entsorgt, darunter wahrscheinlich auch ein Teil der Funde aus der Grabkammer.
Fundzusammenhang:
Die Türurne stand ursprünglich auf einer Schicht aus Lehm am Boden der achteckigen Grabkammer aus Steinen, die mit einem falschen Gewölbe aus plattigen Steinen abgedeckt war. In der Urne befand sich Leichenbrand und der kleine Kamm aus Bronze. Fast alle anderen Bronzen, wie das Schwert, das Messer und das Tüllenbeil lagen auf oder in der Lehmschicht am Kammerboden. Die Türurne wurde kurz nach ihrer Entdeckung 1888 zerschlagen. Ihre Scherben wurden in der Umgebung verteilt und wieder untergegraben. Bei den Ausgrabungen in den Jahren 2017 und 2018 fanden sich Teile der Türurne auf einer Fläche von ca. 12 m² im direkten Umfeld der ehemaligen Grabkammer (Abb. 3).
Literatur
A. Götze, Hügelgräber bei Seddin, Kreis West-Priegnitz.
Nachrichten über deutsche Altertumsfunde 11, 1894, 82–89.
J. May, Eine prächtige Türurne aus dem Grabhügel 1 (1888) im
Wickboldschen Wäldchen bei Seddin, Lkr. Prignitz, Brandenburg. Acta Praehistorica et Archaeologica 58, 2026, 1- ???
S. Sabatini, Late Bronze Age long distance exchanges, agency, and the house urn from the so-called Wickbold 1 mound. In: S. Hansen/F. Schopper (Hrsg.), Der Grabhügel von Seddin im norddeutschen und südskandinavischen Kontext. Internationale Konferenz Brandenburg an der Havel 16.–20. Juni 2014.
Arbeitsberichte zur Bodendenkmalpflege in Brandenburg 33, 2018, 51–64.
H. Wüstemann, Zur Sozialstruktur im Seddiner Kulturgebiet.
Zeitschrift für Archäologie 8, 1974, 67–107.
Eigentümer/Nutzungsrecht
Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum
Permalink
https://archaeo3d.de/projekte/2025-12-01-tr-tuerurne-0004/
Zitat des Beitrags / Citation
Jens May, Ideal-Rekonstruktion der Türurne ohne Tür (3D-Modellierung). In: Landesamt für Archäologie Sachsen, Website archaeo | 3D (07.07.2026). https://archaeo3d.de/projekte/2025-12-01-tr-tuerurne-0004/