Fundobjekt

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Grün glasierte Blattkachel

Gemarkung: Großenhain (Großenhain, Meißen)
Datierung: Neuzeit | frühe Neuzeit | 1531 - 1550 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:
Die leicht hochrechteckige Kachel zeigt auf der Vorderseite das in einen Rundbogen gesetzte Brustbild einer männlichen Gestalt in geschlitztem renaissancetypischem Wams. Das nach links gewendete Gesicht ziert ein beidseitig spitz ausgezogener Backenbart und auf dem Haupt sitzt eine Zackenkrone mit Federschmuck. In der linken Hand hält die Figur einen über die linke Schulter geführten Streitkolben. Den rechten Arm hat sie auf eine Brüstung gestützt, auf deren Vorderseite sie die Inschrift „SERAC · 1“ benennt. Auf der Kachelrückseite sind herstellungsbedingte Textilabdrücke zu erkennen und sie ist vom einstigen Gebrauch am Kachelofen rußgeschwärzt. Serach, der Kuschiter, ist eine Person aus der Bibel, die mit großem Heer gegen König Asa von Juda loszieht, aber von selbigem geschlagen wird. Seine Darstellung folgt der „Schandenpord“, einer Holzschnittfolge aus dem Jahr 1531, welche zwölf alttestamentliche Tyrannen zusammenstellt. Ist der Urheber der Holzschnitte unbekannt, lieferte der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs 1545 Verse dazu. In Reihenfolge erscheinen mit ihren Attributen der Pharao Ägyptens (Joch), Adoni Bezek (Beil), Eglon (Geldsack), Abimelech (Mühlstein), Goliath (Wagenachse), Saul (Schwert), Serach (Kolben), Ahab (Pfeil), Sanherib (Rute), Nebukadnezar (Geißel), Holofernes (Streithammer) und Antiochus (Schlange). Die „Schandenpord“ ist das Pendant zur „Erenport“, einer Holzschnittserie von Georg Pencz, auch von 1531, mit zwölf Helden des Alten Testaments.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Großenhain, Klostergasse 1 | GH-01

Fundstellen-Beschreibung:
Das Grundstück liegt im Westen der Altstadt nahe der einstigen Stadtmauer. Die im Oktober/November 1994 erfolgte Rettungsgrabung brachte Erkenntnisse zu Besiedlung und Bauentwicklung Großenhains. Die ältesten Kulturschichten im ausgegrabenen Areal stammen aus dem 13./14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert hatte es zwei freistehende Gebäude, eines davon mit Keller, gegeben. Nach dem Stadtbrand 1744 war man beim Wiederaufbau von Giebel- zu Traufständigkeit und von Holz- zu Steinbauweise übergegangen.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
352: Es handelt sich vermutlich um eine Planierschicht, die mit Ziegelstückchen, Holzkohle, kleinen Bruch- und Kieselsteinen durchsetzt war und neben Kachel- auch unglasierte und glasierte Gefäßfragmente enthielt.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,22mm

Literatur

Renate Freitag-Stadler u. a. (Bearb.), Die Welt des Hans Sachs. 400 Holzschnitte des 16. Jahrhunderts. Eine Ausstellung der Stadt Nürnberg. Stadtgeschichtliche Museen im Kemenatenbau der Kaiserburg vom 30.7.–3.10.1976. Ausstellungskatalog Stadtgeschichtliches Museum Nürnberg 10 (Nürnberg 1976).
Ruth Röwer-Döhl, Bürgerliches Bildungs- und Kunstbewußtsein 1500–1700. Ofenkacheln in Duderstadt. Göttinger Jahrbuch 40, 1992, 165–190.
Martina Wegner, Ein renaissancezeitlicher Kachelkomplex aus Stralsund. Rekonstruktionsansatz der Kachelserien. Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern 59, 2011 (2012) 223 f.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen | AAS:00137379

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