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Amphore

Bauchiges Vorrats- und Transportgefäß mit engem Hals und zwei sich gegenüberliegenden Henkeln.

Aunjetitzer Kultur

2200–1600 v. Chr. – Der ältere Abschnitt der Bronzezeit wird von der Aunjetitzer Kultur repräsentiert, die nach einer Fundstelle in Böhmen benannt ist. Die zahlreichen Fundstellen liegen in mehreren Fundkonzentrationen zwischen der westlichen Slowakei und dem Niedersächsischen Elbtal mit einem Schwerpunkt in Mitteldeutschland. In dieser Zeit setzen sich die Kupfermetallurgie und die neu entdeckte Zinnbronzelegierung durch. Mit diesen Neuerungen ist eine stärkere Differenzierung der Gesellschaft verbunden, die sich an befestigten Siedlungen und einigen sehr reichen Bestattungen zeigt. Neben Grabfunden und Siedlungsplätzen tauchen in großer Zahl Depotfunde vor allem aus Metallgegenständen auf.

Axt

Gerät zur Holzbearbeitung mit mehr oder weniger mittiger Durchlochung zur Schäftung mit einem Stiel. Die Verwendung als Waffe ist ebenfalls belegt.

Baalberger Kultur

3800–3500 v. Chr. – In ganz Mitteldeutschland verbreitete Kulturgruppe, die zur älteren, im nördlichen Mitteleuropa vertretenen Trichterbecherkultur zählt. Die deutlich gegliederte Keramik ist meist unverziert. Die auffälligste Quellengattung sind Bestattungen, die erstmals eine markante, obertätig sichtbare Architektur in Form von Hügeln erkennen lassen. Neben Siedlungen gibt es auch größere Grabenwerke.

Bandkeramik

Die Kultur der ältesten Bauern in Mitteleuropa ist nach der charakteristischen Verzierung ihrer Keramikgefäße benannt: bandförmige Ornamente, die komplexe Rauten-, Spiral-, oder Girlandenmotive bilden. In der älteren Linienbandkeramik (5500–5000 v. Chr.) sind die Ornamente vorwiegend als Linien eingeritzt, für die jüngere Stichbandkeramik (5000–4500 v. Chr.) sind eingestochene Ziermuster typisch. Besonders kennzeichnend für die Kultur der Bandkeramik sind die langen, imposanten Häuser.

Befund

Erkennbare archäologische Struktur im Boden. Ein Befund kann beispielsweise eine Grube, ein Pfostenloch oder ein Grab sein.

Beil

Gerät zur Holzbearbeitung mit kompakter, flacher Klinge, das in die Schäftung eingebettet wurde. Die Verwendung als Waffe ist ebenfalls belegt.

Billendorfer Kultur

800–550 v. Chr. – Östlich der Elbe und im Umfeld der Lausitz bis an die Oder wird die bereits in die frühe Vorrömischen Eisenzeit datierte Spätphase der Lausitzer Kultur als Billendorfer Gruppe bezeichnet. Neben zahlreichen Brandbestattungen, die sich durch sehr regelhafte und komplexe Bestattungsrituale auszeichnen, gibt es wie bereits in der jüngeren Bronzezeit eine Reihe befestigter Siedlungen.

Bohle

Aus einem Holzstamm gespaltenes brettartiges Bauholz.

Brandgrab

In vielen vorgeschichtlichen Kulturen wurde der Leichnam verbrannt und die Asche des Toten, der Leichenbrand, danach aus den Resten des Scheiterhaufens aufgesammelt und bestattet. Besonders typisch sind Urnengräber: die verbrannten Knochen wurden in ein Gefäß, die Urne, geschichtet. Außer dem verbrannten Körper des Toten wurden in vielen Fällen Beigaben mit ins Grab gegeben.

Bronzezeit

2200–750 v. Chr. – Die Verarbeitung von Metall setzt sich durch. Aus Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zinn, werden zahlreiche Gegenstände wie Waffen, Schmuck und Arbeitsgeräte hergestellt. Darüber hinaus wird Gold relativ häufig verarbeitet. Zahlreiche Burgen, ausgedehnte Gräberfelder und viele Bronze- und Goldfunde zeugen von Macht und Reichtum. Mit der neuen Technologie entstehen zahlreiche neue Berufe. Das seltene Metall musste über weite Strecken transportiert werden, der Handel blühte auf.

Brunnen

Bauwerk zur Gewinnung von Wasser. Die häufigsten Konstruktionen sind Holzkastenbrunnen, Brunnenschächte aus ausgehöhlten Baumstämmen und Flechtwerkbrunnen. In Mitteleuropa stammen die frühesten Nachweise von Brunnen bereits aus der Zeit der Linienbandkeramik. Wegen der oftmals sehr guten Erhaltungsbedingungen für organische Materialien in den feuchten Bodenschichten des Brunnenschachtes ergeben sich neue Einblicke in Techniken der Holz- und Rindenbearbeitung sowie Erkenntnisse zur Rekonstruktion der damaligen Umwelt- und Lebensbedingungen mithilfe kleinster Pflanzen-, Tier- und Insektenreste.

Dechsel

Hacke zur Holzbearbeitung mit quer zum Griff geführter Klinge.

Depotfund

Ansammlung von absichtlich in den Boden vergrabenen (Metall)gegenständen, die nicht unmittelbar mit einem Grab- oder Siedlungsfund in Verbindung stehen. Depots kennt man aus unterschiedlichen Epochen. Besonders typisch sind sie für die Bronzezeit. Vermutlich wurden die gefundenen Gegenstände im Verlauf von Opferhandlungen entäußert und vergraben.

Doppelkonus

Gefäßform aus zwei an der breitesten Stelle verbundenen Kegelstümpfen.

Einzelfund

Einzeln gefundene, mehr oder weniger auffällige Objekte in der Regel ohne dokumentierten Fundzusammenhang. In vielen Fällen ist die Ansprache als Depotfund wahrscheinlich.

Fibel

Spange zum Fixieren von Gewändern mit ähnlicher Konstruktionsweise der heutigen Sicherheitsnadel.

Figurinen

Kleine, tier- oder menschengestaltige und mehr oder weniger abstrakt gehaltene Figur, meist aus Keramik, die vermutlich aus religiösen Gründen angefertigt und vermutlich auch deshalb entäußert wurde. Zeitliche Schwerpunkte des Phänomens liegen im Neolithikum und in der Bronzezeit.

Fund

Archäologisches Objekt

Gaterslebener Kultur

4500–4200 v. Chr. – Am Beginn des Mittelneolithikums löst sich die kulturelle Einheit der Bandkeramik auf. Auch die großen Langhäuser in den Siedlungen können nicht mehr nachgewiesen werden. Die in Mitteldeutschland verbreitete Gruppe zeigt deutliche Kontakte zu der zwischen Mähren und Ungarn verbreiteten Lengyel-Kultur. Für die meist unverzierte Keramik sind becherartige Gefäße charakteristisch.

Glockenbecher Kultur

2500–2200 v. Chr. – Im westlichen Europa verbreitetes Pendant zur Schnurkeramischen Kultur. Der Name bezieht sich auf die typischste Gefäßform, die häufig mit komplexen, zonalen Ornamenten verziert ist. Der Krieger zeigt sich als Bogenschütze in den Bestattungen. Kupfer- und Goldfunde werden häufiger, ebenso wie Hinweise auf die Metallgewinnung und -verarbeitung.

Grabbeigabe

Gegenstände, die mit ins Grab gegeben wurden. Häufig handelt es sich um die Bekleidung mit der persönlichen Ausstattung des Toten. Die zahlreichen Keramikgefäße in Gräbern deuten auf Toten- und Ahnenspeisung hin. Beigaben sollen auf der einen Seite die Person des Verstorbenen und seine Rolle in der Gemeinschaft kenntlich machen, auf der anderen Seite verweisen sie auf Jenseitsvorstellungen, in denen Körper und Seele als nicht voneinander getrennt existierend gedacht wurden.

Grabfund

Neben den Siedlungsplätzen die wichtigste Quellengattung in der prähistorischen Archäologie. Vielfach haben sich die sorgfältig und bewusst niedergelegten Beigaben sowie die sterblichen Überreste der Toten erhalten. Im Befund zeigen sich die Bestattungsrituale, während Beifunde und Knochenreste archäologisch bzw. anthropologisch ausgewertet werden können.

Grabhügel

Erdaufschüttung, innerhalb oder unter der sich die Bestattung befindet. Die Überhügelung ist eind Form der Grabarchitektur, mit der ein Erinnerungsmonument für die nachfolgenden Generationen geschaffen werden sollte. Mit der Zeit eingeebnete Hügelgräber können im Luftbild oder auf Ausgrabungen vielfach an ihren Einfassungen in Form von Kreisgräben erkannt werden.

Hocker/Hockerbestattung

Auf der Seite liegende Körperbestattung mit angewinkelten Armen und Beinen in Schlafstellung. Häufig sind die Toten geschlechtsspezifisch nach Himmelrichtungen und somit nach Gestirnen ausgerichtet. Häufigste Bestattungsart im Neolithikum und der frühen Bronzezeit.

Jordansmühler Kultur

4200–3800 v. Chr. – Nördlich der Mittelgebirge nur im Dresdner Raum ausgeprägte Kulturgruppe, die hauptsächlich in Böhmen, Mähren und Schlesien vorkommt. Teilweise tragen die Gefäße eine reiche Verzierung. Typisch sind Krüge bzw. Amphoren und Schalen.

Kugelamphorenkultur

3300–2700 v. Chr. – Die vom östlichen Mitteleuropa bis in die Ukraine verbreitete Erscheinung verkörpert in Mitteldeutschland den Übergang vom Mittel- zum Spätneolithikum. Die typischen kugelbauchigen Amphoren tragen in der Regel auf dem Hals und der Schulter flächige Ornamente, die selbst auf kleinsten Fragmenten wiedererkannt werden können. Regelhaft kommen Rinderbestattungen vor. Die oftmals paarweise bestatteten Zugtiergespanne deuten die wachsende Bedeutung der Mobilität durch Rad und Wagen an. Möglicherweise verweist die Kulturexpansion aus dem östlichen Europa auf gesellschaftliche Entwicklungen des nachfolgenden Spätneolithikums.

Kumpf

Henkelloses Gefäß mit gewölbtem Boden.

Körpergrab

Der Leichnam wird nach dem Tod in eine Grabgrube gelegt. Vielfach wurde das Grab mit Beigaben ausgestattet.

Lausitzer Kultur

1350–750 v. Chr. – Die jüngere Bronzezeit im östlichen Sachsen wird der Lausitzer Kultur zugerechnet, die vom Berliner Raum und dem südlichen Brandenburg bis nach Schlesien, Böhmen und Mähren verbreitet ist. Typisch sind Friedhöfe mit Brandgräbern, oft mit einer Vielzahl unterschiedlicher Keramikgefäße als Beigaben.

Linienbandkeramik

5500–5000 v. Chr. – Älterer Abschnitt der Bandkeramik mit vorwiegend eingeritzter Linienverzierung.

Mesolithikum (Mittelsteinzeit)

9500–5500 v. Chr. – Nach dem Ende der Eiszeit lebten die Menschen noch einige Jahrtausende in den zunehmend durch Wälder geprägten Landschaften als Jäger und Sammler. Die Geräte und Jagdwaffen wurden zumeist mit sehr kleinen Steineinsätzen versehen.

Mittelalter (Früh-/Hochmittelalter, Spätmittelalter)

700–1500 n. Chr. – Entstehung des christlichen Europas und der Herrschaftsstrukturen, welche die Grundlage der heutigen Staaten bilden. Burg, Kloster, Stadt und Dorf stellen die wichtigsten Herrschafts-, Wirtschafts- und Siedlungseinheiten dar. Durch gesellschaftliche und agrarische Innovationen sowie die Klimagunst werden bis dahin unbesiedelte Räume, vor allem in den Mittelgebirgsregionen, kolonisiert. Sachsen wird Teil des ostfränkischen Reiches und später ein wichtiges Territorium des Heiligen Römischen Reiches der römisch-deutschen Kaiser.

Neolithikum (Jungsteinzeit)

5500–2200 v. Chr. – Eine völlig neue Wirtschaftsweise setzt sich durch: Die Menschen werden Bauern und betreiben Ackerbau und Viehzucht. Die überlieferten Gegenstände sind weiterhin zum größten Teil aus Stein gefertigt. Neu sind Gefäße aus gebranntem Ton, der Keramik. Der wichtige Roh- und Baustoff Holz hat sich nur unter günstigen Erhaltungsbedingungen wie den im Grundwasserbereich verbliebenen Brunnen erhalten. Es werden dauerhafte Siedlungen angelegt, in denen die Menschen in Häusern leben.

Neuzeit

ab 1500 n. Chr. – Umfassende Innovationen und Veränderungen wie die Reformation, die Entdeckung Amerikas, die Erfindung des Buchdrucks und der Beginn der Aufklärung in der Renaissance begründen die Epochengrenze. Mit der Neuzeit wird die umfassende Überformung unseres Planeten durch den Menschen und die Herausbildung der modernen Gesellschaft eingeläutet.

Omphalos

Griechisch für Nabel. Bei flachen Schalen zur Opfergabe der von unten buckelartig ins Innere der Schale eingedrückte Gefäßboden.

Paläolithikum (Altsteinzeit)

300 000–11 500 Jahre vor heute – Ältester Abschnitt der Menschheitsgeschichte, in dem die stammesgeschichtliche Entwicklung zum modernen Menschen stattfindet. Die Menschen haben als Jäger und Sammler gelebt. Es gab keine festen Häuser. Als Werkzeuge und Geräte kennen wir nur Gegenstände aus Feuerstein und Knochen. In Europa handelt es sich um die Epoche des Eiszeitalters.

Prähistorische Zeit

Erster und zugleich längster Abschnitt der Menschheitsgeschichte, für den keine oder nur ganz spärlich Schriftquellen vorliegen. Alle Erkenntnisse stützen sich auf archäologische Ausgrabungen. In Sachsen endet die prähistorische Zeit mit den zunehmend häufiger werdenden Schriftquellen zum Beginn des zweiten Jahrtausends n. Chr. – dem Hochmittelalter.

Querhaue

Hacke zur Holzbearbeitung mit quer zum Griff geführter Klinge.

Römische Kaiserzeit

Chr. Geb.–350 n. Chr. – Teile von West- und Mitteleuropa sind durch die Römer besetzt. Die Kulturen nördlich und östlich des römischen Reiches bleiben eigenständig, sind aber durch vielfältige römische Einflüsse geprägt. Die Schriftquellen berichten von zahlreichen Auseinandersetzungen mit Germanen.

Salzmünder Kultur

3400–3100 v. Chr. – In Sachsen nur in der Leipziger Tieflandbucht vorkommende Gruppe, die der jüngeren Trichterbecherkultur zugeordnet wird und hauptsächlich im Mittelelb-Saale-Gebiet verbreitet ist. Charakteristische Formen sind Kannen und sogenannte Tontrommeln.

Schnurkeramische Kultur

2750–2200 v. Chr. – Bezeichnung für eine Kultur am Ende des Neolithikums. Die vermutlich im östlichen Europa beheimatete Kultur war bis an den Rhein und die Schweiz verbreitet. Der Name verweist auf die charakteristische Verzierung mit Schnureindrücken auf den Keramikgefäßen. Die kennzeichnende Bewaffnung waren Streitäxte.

Siedlung

Überreste von mehr oder weniger dauerhaft genutzten Siedlungsplätzen. Neben den Baustrukturen wie Häusern, Nebengebäuden, Zäunen, Gruben, Brunnen und Gräben können auch Befunde, die mit Bau- und Nutzungsvorgängen in der Siedlung in Zusammenhang stehen, nachgewiesen werden. Die in der Regel nur stark fragmentiert vorliegenden Funde sind weniger das Resultat bewusster Niederlegungen als vielmehr zufälliger Ereignisse.

Stichbandkeramik

5000–4500 v. Chr. – Jüngerer Abschnitt der Bandkeramik mit eingestochenen Ziermustern.

Terrine

Breites, schüsselartiges Gefäß, teilweise mit kleinen Henkeln und kegelförmigem Hals.

Tracht

Kleidung und Ausstattung, die traditionell und historisch einer bestimmten Region, einem bestimmten Land oder den Angehörigen einzelner Bevölkerungsgruppen zugeordnet werden.

Vorrömische Eisenzeit

750–Chr. Geb. – Das gegenüber Kupfer wesentlich häufigere, zähe Eisen ersetzte bei vielen Gegenstände, wie Waffen und Arbeitsgeräte, die spröde und wertvolle Bronze. Erste schriftliche Nachrichten der Griechen und Römer berichten von den Ereignisse aus den Gebieten nördlich der Alpen. Zum ersten Mal tauchen Namen von Stämmen oder Volksgruppen auf: Kelten, Gallier, Germanen, Cimbern, Helvetier, Teutonen, Vindeliker …

Völkerwanderungszeit

350/375–700 n. Chr. – Der westliche Teil des römischen Reiches wird durch Germanen erobert. Viele Volksgruppen ziehen durch Europa: Germanische Stämme kommen bis nach Italien, Spanien und Afrika; Hunnen aus den asiatischen Steppen bis nach Mitteleuropa. Alemannen, Franken, Sachsen, Burgunder, Thüringer gehören zu den Stammesverbänden zwischen Elbe und Rhein. Ganz am Ende dieser Epoche wandern slawische Stämme in die weitgehend siedlungsleeren Gebiete des östlichen Mitteleuropas ein und besiedeln auch Sachsen.