Fundobjekt

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Kachel mit Antlitz Christi

Gemarkung: Leipzig Innenstadt (Leipzig, Leipzig Stadt)
Datierung: Mittelalter | Spätmittelalter | 1450 - 1500 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:
Die quadratisch ausgezogene Mündung der Schüsselkachel ist mit einem Masseblatt verschlossen, das mithilfe eines Models gestaltet wurde. Die Schauseite zeigt das Bildnis Christi. Das frontale, eher breite Gesicht ist geprägt von halbgeschlossenen Augen und einem Vollbart, wobei der Oberlippenbart fast bist zum Kinn herabreicht und der Kinnbart zweigeteilt ist. Umspielt wird das Gesicht von langem gewelltem Haar und den drei lilienblütenförmigen Enden eines Kreuzes, welche den für Christus typischen Heiligenschein – den Kreuznimbus – reduziert wiedergeben. Die Zwickel sind schmucklos. Auf die Vorderseite der unglasiert gewollten Kachel ist aus Versehen etwas grüne Glasur gelaufen, die in den unteren Ecken wie auch im Bereich des Gesichts mitgebrannt wurde. Die Rückseite bildet der auf der Töpferscheibe hergestellte, fragmentarisch erhaltene Rumpf. Drehriefen von seiner Herstellung sowie Rußspuren vom Gebrauch am Ofen sind erkennbar. Mittelalterlichen Legenden nach übergab Jesus Christus das wahre, nicht von Menschenhand gemachte Bild seines Antlitzes, lateinisch vera icon, der durch ihn geheilten Veronika, und zwar auf dem namengebenden Tuch. Um 1400 verwob man die Legende mit der Leidensgeschichte, wonach Veronika Jesus auf dem Kreuzweg ein Tuch zum Trocknen seines Schweißes gereicht haben soll. Dieses Sudarium mit dem Abdruck seiner Gesichtszüge wurde im Spätmittelalter zum eigenständigen Andachtsbild und zu einer der kostbarsten Reliquien.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Petersstraße 33 | L-103

Fundstellen-Beschreibung:
In der ersten Hälfte des Jahres 2004 wurde im Vorfeld eines geplanten Kaufhausneubaus im Petersviertel in der südlichen Altstadt der Häuserblock zwischen Peterskirchhof im Süden und der Petersstraße – Teil der mittelalterlichen Fernhandelsstraße Via imperii – im Westen archäologisch untersucht. Die auf der Grabungsfläche nördlichste Parzelle Petersstraße 33 (Grabungsschnitt 4) war seit 1943 Kriegsbrache, zuvor jedoch mit einem Vorder-, Seiten- und Hinterhaus samt kleinem Innenhof bebaut gewesen.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
1: Zwickelverfüllung über dem west-ost-ausgerichteten, im Osten vollständig erhaltenen Tonnengewölbe des Vorderhauskellers im Grabungsschnitt 4. Mithilfe der Verfüllung kann das Gewölbe in das späte 15./16. Jahrhundert datiert werden.

Scanner:
Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,21mm

Literatur

Hannelore Sachs/Ernst Badstübner/Helga Neumann, Christliche Ikonographie in Stichworten (Leipzig 1980) 357 f.
Maike Günther, Eine Vera-Ikon Kachel aus der Petersstraße. In: V. Rodekamp/R. Smolnik (Hrsg.), 1015. Leipzig von Anfang an. Begleitband zur Ausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig 20. Mai–25. Oktober 2015. (Leipzig 2015) 125.
Cornelia Rupp (Bearb.), Vera-Ikon-Kachel. In: Der Fund (Dresden 2007) 124 f.

Eigentümer
Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | 360°
AAS:00110379

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