Fundobjekt

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Schauteller mit Verkündigungsszene

Gemarkung: Görlitz (Görlitz, Görlitz)
Datierung: Neuzeit | Frühe Neuzeit | 1590 - 1610 n. Chr.
Material: Irdenware
Fundgegenstand: Teller

Objektbeschreibung:
Der fast vollständig erhaltene Teller besitzt einen planen Standboden, eine leicht ansteigende Fahne und einen verstärkten Rand mit einem feinen umlaufenden Mittelgrat auf der Kante. Auf der Vorderseite trägt er plastischen gemodelten Dekor und eine mehrfarbige, durch Brand schadhafte Bleiglasur aus Kobaltblau, Manganbraun, Zinnweiß, Antimongelb und Kupfergrün. Der Spiegel zeigt Mariä Verkündigung. Im Vordergrund rechts ist Maria mit Heiligenschein dargestellt. Sie liest ein Buch, das aufgeschlagen auf einem Tisch mit faltenreicher Tischdecke liegt. Links erscheint Erzengel Gabriel mit erhobener rechter Hand, darüber schwebt der Heilige Geist als Taube. Im Hintergrund sind ein Himmelbett und ein Wandbehang zu erahnen. Die Verortung der Verkündigungsszene in einen weltlichen Innenraum wie dem Schlafgemach war seit dem 15. Jahrhundert üblich. Durch eine Kordel ist der Spiegel von der Fahne abgegrenzt. Ihr sind Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt mitgegeben. Auf der unglasierten Rückseite sind am Boden Schnitt- bzw. Streich-, auf der Fahne Abdrehspuren der schnell rotierenden Töpferscheibe zu erkennen. Dieser und vier weitere geborgene repräsentative Teller wurden vermutlich nicht in Görlitz, sondern im benachbarten Schlesien oder angrenzenden Gebieten hergestellt, wie die formale Ähnlichkeit zu Objekten solchen Ursprungs verrät.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:
Büttnerstraße 13

Fundstellen-Beschreibung:
1990 fanden im Gebäudebestand auf dem Areal im Norden der Altstadt Renovierungsarbeiten statt. Über den Gewölben des Hinterhauses barg man den Schutt eines Brandes, der vermutlich mit einer der Belagerungen der Stadt im Dreißigjährigen Krieg einhergegangen und dem vermutlich der darunterliegende Renaissancesaal anheimgefallen war.

Fundstellen-Typ:
Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:
Lesefund aus einer Brandschuttverfüllung. Der Schutt setzte sich aus Irdenware- und Steinzeuggefäßen aus der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zusammen.

Scanner:
Konica Minolta VI-910 Middle 14mm | Laserscan | 0,39mm

Literatur

Hannelore Sachs/Ernst Badstübner/Helga Neumann, Christliche Ikonographie in Stichworten2 (Leipzig 1980) 354–356
Stefan Krabath, Bunte Teller für reiche Bürger. Renaissancegeschirr aus Görlitz und seine überregionalen Beziehungen. Archæo 6, 2009, 26–31.
Stefan Krabath, Die Entwicklung der Keramik im Freistaat Sachsen vom späten Mittelalter bis in das 19. Jahrhundert. Ein Überblick. In: Regina Smolnik (Hrsg.), Keramik in Mitteldeutschland. Stand der Forschung und Perspektiven. 41. Internationales Hafnerei-Symposium des Arbeitskreises für Keramikforschung in Dresden, Deutschland, vom 21. September bis 27. September 2008. Veröff. Landesamt Arch. 57 (Dresden 2012) 81 f. Abb. 72.

Eigentümer
Privatbesitz Michael Hoffmann, Görlitz
, sonst:LF

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