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Tonschieferplatte mit Ritzung

Fundort: Groitzsch (Jesewitz, Nordsachsen)
Datierung: Paläolithikum | Magdalénien | 12500 - 12000 v. Chr.
Material: Schiefer
Fundgegenstand: Kunstgegenstand

Objektbeschreibung:

Teil einer Tonschieferplatte mit geglätteter Oberfläche.

Auf der Vorderseite sind die Darstellungen von zwei Pferden mit Kopf, Hals und Brustansatz eingeritzt. Die Pferde stehen sich gegenüber. Ihre Schnauzen verschmelzen miteinander. Auf der Rückseite der Tonschieferplatte ist ein weiteres Pferd eingeritzt. Von diesem Pferd sind nur der Kopf und der Hals zu sehen.

Es ist möglich, dass es sich bei diesem Bild um ein Vexierbild handelt. Wenn man die Tonschieferplatte um 180° dreht, kann man in den eingeritzten Linien den Körper eines Mammuts ohne Kopf Beine und Schwanz erkennen.

Diese kleine Tonschieferplatte ist der einzige Kunstgegenstand aus dem Paläolithikum, der in Sachsen gefunden wurde. Die Kunst der Jäger und Sammler – Felsmalereien, Plastiken und Kleinkunstwerke – hat man vor allem auf der Iberischen Halbinsel bis in den Südwesten von Deutschland und am Rhein gefunden.

Fragment eines Schieferplättchens mit geglätteter Oberfläche. Auf der Vorderseite sind die Darstellungen von zwei Pferden mit Kopf, Hals und Brustansatz eingeritzt. Die Tiere stehen einander gegenüber und verschmelzen im Schnauzenbereich. Die Bedeutung der Ritzungen zwischen den Pferden ist unklar. Ein drittes Pferd ist auf der Rückseite abgebildet. Auch hier beschränkt sich die Darstellung auf den Kopf und die Halspartie. Möglicherweise handelt es sich dabei um ein Vexierbild: Denn wenn man den flachen Stein um 180° Grad dreht, können die Ritzungen zu den Umrisslinien des Torsos eines Mammuts gedeutet werden. Das kleine Bildwerk repräsentiert das einzige Objekt in Sachsen das zur jungpaläolithischen Kunst der eiszeitlichen Jäger und Sammler Europas gerechnet werden kann. Diese Felsmalereien, Plastiken und Kleinkunstwerke sind vor allem von der Iberischen Halbinsel bis nach Südwestdeutschland und an den Rhein verbreitet.

Florian Innerhofer (05.07.2022)/Cornelia Schuricht

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Kapellenberg | JW-03

Fundstellen-Beschreibung:

Eine Anhöhe, welche die Wiesen an der Mulde überragt. Es ist die wichtigste Fundstelle mit Gegenständen aus dem Paläolithikum in Sachsen.

Die Tonschieferplatte wurde am 5. November 1958 bei Ausgrabungen gefunden.

Spornartige Anhöhe über der Muldeaue; bedeutendste jungpaläolithische Fundstelle in Sachsen.

Fundstellen-Typ:

Station/Lager/Rastplatz

Befund

Befund-Beschreibung:

Am 5.11.1958 im Nordteil des Fundplatzes D im südlichen Teil der Untersuchungsfläche entdeckt.

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 125mm | Streifenlicht | 0,05mm

Literatur

Helmut Hanitzsch, Groitzsch bei Eilenburg. Schlag- und Siedlungsplätze der späten Altsteinzeit. Veröffentlichungen Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden 12 (Berlin 1972).
Ingo Kraft, Die Pferdegravierungen von Groitzsch. Archaeo 7, 2010, 37–41.
Sabine Lienen-Kraft, Imagination. In: Sabine Wolfram (Hrsg.), In die Tiefe der Zeit. 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in Sachsen (Dresden 2014) 70–73.

Eigentümer/Nutzungsrecht

Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | 360°
AAS:00060765

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