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Grabplatte der Anna Magdalena Kegeler

Fundort: Dresden Altstadt I (Dresden, Dresden Stadt)
Datierung: Neuzeit | Frühe Neuzeit | 1612
Material: Stein
Fundgegenstand: Grabstein

Objektbeschreibung:

Eine rechteckige Grabplatte aus Sandstein. Sie ist 173 Zentimeter lang, 82 Zentimeter breit und 21 Zentimeter dick. Das Gewicht der Grabplatte ist 502 Kilogramm. Sie hat eine erhöhte Umrandung. Das Bild der verstorbenen Frau ist aus dem Stein herausgemeißelt. Sie blickt nach Vorn.

Die Augen der Frau sind offen. Ihre Hände liegen über dem Bauch übereinander.

Die Frau trägt einen Rock, der bis zum Boden reicht. Darüber trägt sie einen langen Mantel. Der Mantel ist in Falten gelegt – er ist plissiert. Um die Schultern trägt die Frau ein breites Tuch. Auf dem Kopf hat sie eine einfache Haube.

In den oberen Ecken der Grabplatte sind zwei Wappen zu sehen. Auf dem linken Wappen ist eine Brezel. Aus dem Knoten der Brezel wächst eine Blume. Darüber ist ein Helm mit Hörnern. An den Enden der Hörner sind Fähnchen. Zwischen den Hörnern ist eine Blume mit Stiel.

Auf dem rechten Wappen ist ein Symbol. Es sieht dem Symbol für den Planeten Merkur ähnlich. Über dem Symbol ist ein Helm mit Flügeln. Auf dem Helm ist der Oberkörper eines Mannes zu sehen. Er hält ein Schwert über dem Kopf.

Auf der erhöhten Umrandung ist eine Inschrift: DTREICHE FRAW MAGDALENAH D CASPAR KEGELERS HOFF: VUND STADTMEDI HAVSFRAW. IST SEELIGLICH VERSTORB: D 26.JULI 1612 IHRES ALTERS 37 JAIR 3 MONAT. Das heißt: Die ehren- und tugendreiche Frau Magdalena, Herrn Caspar Kegelers, Hof- und Stadtmedikus, Hausfrau, ist selig verstorben am 26. Juli 1612 im Alter von 37 Jahren und 3 Monaten.

Die rechteckige Grabplatte aus Sandstein besitzt Abmessungen von 1,73 m zu 0,82 m und eine Stärke von 21 cm; das Gewicht beträgt 502 kg. In dem leicht vertieften Feld ist im flachen Relief das Bildnis der Verstorbenen als Ganzfigur in Frontalansicht wiedergegeben. Die Augen sind geöffnet, die Hände über dem Bauch ineinander verschränkt. Die Frau trägt einen bis zum Boden reichenden Rock, einen langen, plissierten Mantel und ein breites Schultertuch. Den Kopf bedeckt eine schlichte Haube. In den oberen Zwickeln des Feldes befinden sich zwei schräg gestellte Vollwappen. Das linke zeigt eine Brezel, aus deren Knoten eine Blume wächst. Dem darüber befindlichen Helm entwachsen Hörner mit fähnchenbesteckten Enden und mit dazwischen platzierter gestielter Blume. Die rechte Wappenfigur ähnelt dem Symbol für das Element Quecksilber in der Alchemie oder für den Planeten Merkur, und der geflügelte Helm trägt eine männliche Halbfigur, die ein Schwert über ihren Kopf hält. Auf der etwa 15 cm breiten Randleiste verläuft eine einzeilige Inschrift in der zeittypischen Kapitalis, die an der oberen Schmalseite der Grabplatte weitgehend zerstört ist: „[DIE EREN- VNDT TVGEN]DTREIC / HE FRAW MAGDALENA H(errn) : D(octoris). CASPAR KEGELERS HOFF.VND STADT / MEDI(CI) HAVSFRAW. IST SEELIGLICH / VERSTORB(en) : D(en) . 26. JULI 1612 IHRES ALTERS 37 JAIR 3 MONAT.“

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Kirchhof der Frauenkirche | DD-15

Fundstellen-Beschreibung:

Vor dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche wurde von Oktober 1994 bis August 1995 auch das Gebiet um die Kirche untersucht. Im nördlichen Teil des heutigen Neumarktes befand sich ein Friedhof. Dort wurden viele Erdbestattungen und einige gemauerte Grüfte gefunden. Am östlichen Rand des Friedhofes wurde im April 1995 die Gruft mit der Nummer 102 untersucht. Die Gruft war an die Mauer des Friedhofes gebaut.

Anlässlich des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche wurde von Oktober 1994 bis August 1995 auch deren Umfeld archäologisch untersucht. Dabei wurden im Bereich des ehemals zugehörigen Kirchhofes, am nördlichen Rand des heutigen Neumarkts, zahlreiche Erdbestattungen und einige gemauerte Grüfte freigelegt. Am östlichen Rand des Kirchhofes wurde im April 1995 die Gruft mit der historischen Nummer 102 untersucht, die gegen die Kirchhofmauer gesetzt war.

Fundstellen-Typ:

Gräber

Befund

Befund-Beschreibung:

Die Gruft war bis zu einer Höhe von 4,40 Metern erhalten. Wahrscheinlich hatte sie eine gewölbte Decke. Die Gruft war von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet. Der Innenraum der Gruft war 3,20 Meter lang und 3 Meter breit.

2134: Die Wände der ehemals überwölbten (?) Gruft aus regelmäßig bearbeiteten Sandsteinquadern waren bis in eine Höhe von etwa 4,40 m erhalten. Die Längsachse der Gruft war von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet; die lichte Weite des Innenraumes betrug 3,20 m zu 3,00 m.

Fundzusammenhang:

Die Grabplatten von Caspar Kegeler (gestorben 1623) und seiner Frau Magdalena (gestorben 1612) waren an der südöstlichen schmalen Seite der Gruft aufgestellt. Daneben stand ein Stein mit Inschriften. Er war genauso groß wie die Grabplatten. Die Körper des Ehepaares waren davor unter dem Fußboden begraben.

Die Grabplatten des Caspar Kegeler († 1623; Befundnummer 2133; Sonderfundnummer 369) und seiner Ehefrau Magdalena († 1612; Befundnummer 2134; Sonderfundnummer 370) waren zusammen mit einem etwa gleich großen Inschriftenstein an der südöstlichen Schmalseite der Gruft aufgestellt. Die beiden zugehörigen Körperbestattungen lagen unmittelbar davor unter dem Fußboden.

Scanner:

Konica Minolta VI-910 Wide 8mm | Laserscan | 0,86mm

Literatur

Edeltraut Weid, Ungedruckter Grabungsbericht DD-15 im LfA (Dresden 1995) 8.
Edeltraud Weid, „Keine armen Seelen“. Die Ausgrabung auf dem Frauenkirchhof in Dresden. Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen 3, 1995, 223–225. / Dorit Gühne, Zeugnisse sepulkraler Kunst- und Kulturgeschichte der alten Dresdner Frauenkirche und ihres Kirchhofs. Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 11, 2005, 204.
Peter Witzmann, Wiederentdeckte Grabdenkmäler vom Kirchhof der Alten Frauenkirche zu Dresden. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 53/54, 2011/2012, 502–507 Abb. 1–2.4.

Eigentümer

Landesamt für Archäologie Sachsen
AAS:00072677

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