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Gefäß in Hasenform

Fundort: Freiberg (Freiberg, Mittelsachsen)
Datierung: Mittelalter | Spätmittelalter | 1300 - 1350 n. Chr.
Material: Holz
Fundgegenstand: Sonderform, Gefäß, zoomorph

Objektbeschreibung:

Das Gefäß hat die Form eines Hasen. Es ist aus Ahorn geschnitzt und hat eine glatte Oberfläche. Innen ist das Gefäß hohl. Der Körper des Hasen ist lang gestreckt. Das vordere Teil des Körpers ist aufgerichtet. Auf der rechten Seite ist ein Teil einer Vorderpfote zu sehen. Die Ohren sind zum Teil abgebrochen. Außen sind an den Ohren Buchstaben eingeritzt. Auf dem linken Ohr steht NNNES und auf dem rechten Ohr steht FIDLER. Das kann der Name des Besitzers sein: Johannes Fidler. Oder Johannes Fidler hat das Gefäß jemandem geschenkt. Die Buchstaben wurden in einer Form geschrieben, die im 14. Jahrhundert verwendet wurde. Sie werden Unzialen genannt. Die Augen und die Nase des Hasen sind sehr einfach dargestellt. Auf dem Körper des Hasen sind Bänder mit Mustern aus Pflanzen eingeritzt. Auf der hinteren Seite des Körpers ist eine Öffnung. Darüber war wahrscheinlich ein Deckel. Es sind Löcher für Stifte zu sehen. In einem Loch ist noch ein Rest eines Stiftes zu erkennen.

Es ist nicht klar, wofür das Gefäß verwendet wurde. Es ist möglich, dass es in einen Haushalt gehörte. Es ist aber auch möglich, dass es in einem religiösen Zusammenhang verwendet wurde.

Der Hase steht für schlechte und gute Bedeutungen. Schlechte Bedeutungen wie Wollust und Unreinheit. Gute Bedeutungen wie Auferstehung, Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Wenn das Gefäß für Fruchtbarkeit steht, könnte es ein Hochzeitsgeschenk gewesen sein. Vielleicht haben die Menschen in dem Gefäß Salz oder Schmuck aufbewahrt.

Das Objekt ist in Form eines Hasen aus Ahornholz geschnitzt, sauber geglättet und ausgehöhlt. Der Körper ist lang gestreckt, das Vorderteil aufgerichtet. Eine Vorderpfote ist auf der rechten Seite angedeutet. Auf den abgebrochenen Ohren sind außen Inschriften eingeschnitzt, auf dem linken „[JOA]NNES“, auf dem rechten „FIDLER“. Sie sind in gotischen Majuskeln, genauer Unzialen gehalten, deren Ausführung in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts weist. Augen und Nase sind stilisiert wiedergegeben und auf einzelnen Körperpartien – Vorderbrust, seitlichen Brustwänden und Lende – sind Bänder mit pflanzlichen Ornamenten schwach eingeschnitzt. Die nicht überlieferte Kruppe war als aufklappbarer Deckel gearbeitet. Darauf deuten die Bohrung für einen Stift und die Aussparung in der Lendengegend sowie der Stiftrest am Körperende hin. Die Interpretation des repräsentativen Behältnisses ist unklar. Der Hase kann als Symbol profan oder sakral, dabei negativ oder positiv gedeutet werden. Er kann für Wollust und Unreinheit, aber auch Auferstehung, Lebenskraft und Fruchtbarkeit stehen. Letzteres lässt die Ansprache des Objekts als geeignetes Hochzeitsgeschenk zu. Vielleicht sollte es Schmuck oder aber Salz aufbewahren. In seiner qualitätvollen Gestaltung wäre es dem kostbaren Salz ein angemessenes Gefäß gewesen und das Material Holz hätte die Trockenhaltung des begehrten Würz- und Konservierungsmittels begünstigt. Man könnte mutmaßen, dass Johannes Fidler das Stück besaß oder verschenkte.

Martina Wegner (05.07.2022)/Cornelia Schuricht

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Freiberg, Berggasse 5 | FG-172

Fundstellen-Beschreibung:

Das Gefäß wurde in der Berggasse im ältesten Teil der Altstadt von Freiberg gefunden. Die Berggasse lag im Jacobiviertel. Das war eine Siedlung von Bergleuten um die alte Jacobikirche.

In der Berggasse hat man Gruben und einen verfüllten Bergbauschacht gefunden. 1986 entdeckte der damalige Kreispfleger Andreas Becke in einer Grube Keramik und Gegenstände aus Holz. Die Gegenstände lagen in einer Ablagerung aus Faulschlamm.

Die Berggasse befindet sich im östlichen und ältesten Teil der Freiberger Altstadt, im Jakobiviertel (auch Sächsstadt). Es war etwa 1170 um die alte Jakobikirche als Bergleutesiedlung angelegt worden und hatte von Beginn an städtischen Charakter besessen. In der Berggasse fanden sich Gruben und ein verfüllter Altbergbauschacht. Bei Untersuchungen in einer Baugrube 1986 entdeckte der damalige Kreispfleger Andreas Becke in einer Faulschlammablagerung Keramik des 14. Jahrhunderts und Holzfunde.

Fundstellen-Typ:

Stadtkern

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 200mm | Streifenlicht | 0,13mm

Literatur

Gerd Heiz-Mohr, Lexikon der Symbole. Bilder und Zeichen der christlichen Kunst (München 1988) 127 f.
Arndt Gühne, Stadtarchäologie in Freiberg. Holzfunde. Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden 22 (Berlin 1991) 19; 56–58; 95 Abb. 31 Taf. 9.

Eigentümer/Nutzungsrecht

Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | 360°
AAS:00058677

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