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Model für Relief-Kachel

Fundort: Bautzen (Bautzen, Bautzen)
Datierung: Neuzeit | Frühe Neuzeit | 1600 - 1615 n. Chr.
Material: Keramik
Fundgegenstand: Relief-Kachel

Objektbeschreibung:

Der Model, die Hohlform zur Herstellung einer Reliefkachel, zeigt die leicht nach rechts gewendete Halbfigur einer herrschaftlichen Dame innerhalb einer renaissancezeitlichen Rundbogenarchitektur. Ihr gemustertes Brokatkleid mit Knopfleiste und gepolsterten Ärmeln wird um einen Gürtel mit Edelstein sowie um einen Mühlsteinkragen ergänzt. Bis auf die Perle auf der Stirn ist vom Kopfschmuck auf dem herzförmig toupierten Haar nichts mehr erhalten. In ihrer linken Hand hält sie ein Paar Handschuhe und in der rechten einen verzierten Bisamapfel. Bis ins 17. Jahrhundert verwendete man dieses kugelförmige Duftstoffbehältnis zur Krankheitsabwehr, aber auch als Schmuck. Kacheln anderer Fundorte mit einer älteren Bildversion bilden ihn als Endstück eines Rosenkranzes ab. Das nachträgliche Anpassen des Motivs verrät sich auch durch die waagerechte Furche in Brusthöhe, welche die Verwendung einer mehrteiligen Werkstattform anzeigt, sowie durch den spiegelverkehrten seitlichen Inschriftenrest „DIE KONICHI“. Auf besser erhaltenen Stücken ist es „die Königin“ entweder von Polen, die katholische Anna von Österreich (1573–1598) mit Rosenkranz, oder von Dänemark, wohl die evangelische Anna Katharina von Brandenburg (1575–1612) ohne selbigen so wie hier. Der Rosenkranz wurde weggekratzt. Eine seiner Perlen ist vor dem kleinen Finger als „Ring“ stehengeblieben. Teile des Models sind aus- bzw. abgebrochen. Auf der Rückseite sind der Rest einer umlaufenden Griffleiste und eines Knaufs erhalten.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Vorstadt, Töpferstraße 29, 31, 33, 35 | BZ-190

Fundstellen-Beschreibung:

Im Bereich der Bautzener Vorstadt befanden sich die Historischen Zentrum-Garagen in der Töpferstraße 29. Aufgrund eines Hauseinsturzes 2019 und der damit in Zusammenhang stehenden Abrissarbeiten wurden die noch übrigen Gebäude entfernt und der Baugrund ausgetauscht. In diesem Zusammenhang wurde ein fundreiches Töpferareal des 16./17. Jahrhunderts mit Töpfereiabwurfgruben und -halden sowie Ofenresten untersucht. Es konnten auch bis etwa 1200 zurückreichende Siedlungsbefunde nachgewiesen werden.

Fundstellen-Typ:

Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:

Der Model wurde von einem Baggerfahrer entdeckt und kann keinem Befund zugeordnet werden. Es handelt sich um einen Lesefund.

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 400mm | Streifenlicht | 0,21mm

Literatur

Ole Kristiansen, Von Tugenden, Fürsten und der Transfiguration einer Dame. Ein Kachelfund aus dem Keller der Wassermühle König Christians IV. am Vesterport in Kopenhagen. Ungedr. Vortrag auf dem 48. Internationalen Symposium Keramikforschung des Arbeitskreises für Keramikforschung im Herrenhaus des Stadthauptmannshofs Mölln vom 13. September bis 18. September 2015.

Eigentümer

Landesamt für Archäologie Sachsen
AKode:BZ-190

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