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Felszeichnung einer Figur („Arnsteinfigur“)

Fundort: Ottendorf (Sebnitz, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Datierung: Mittelalter | Spätmittelalter/Frühe Neuzeit | 1350 - 1600 n. Chr.
Material: Felsgestein
Fundgegenstand: allg. Fundklasse Sonstiges

Objektbeschreibung:

Die einfache Figur eines Menschen, die in eine Felswand eingeritzt ist. Die Figur ist deutlich zu sehen. Sie hat einen eierförmigen Kopf. Das Gesicht ist durch zwei Punkte für die Augen und einen Strich für die Nase und den Mund dargestellt. Die Figur trägt einen Waffenrock mit Gürtel. Der Waffenrock geht bis zu den Knien. Deutlich kann man einen seitlichen Schultergurt sehen. An diesem Gurt wurde auf der rechten Seite wahrscheinlich eine Klingenwaffe getragen. Arme und Beine der Figur sind natürlich dargestellt.

Rechts neben der Figur ist ein Gebilde eingeritzt. Es sieht aus wie ein Kreuz. Die Figur greift mit der rechten Hand nach diesem Gebilde. Es ist nicht klar, was das sein soll. Ein Schwert ist es nicht. Dafür ist die Klinge zu kurz. Das Querstück zwischen Griff und Klinge – die Parierstange – ist zu lang.

Die einfache Darstellung der Figur und ihrer Ausrüstung und die Lage an der Felsenburg zeigen, dass die Figur aus dem Spätmittelalter stammt.

Deutliche Felsgravur einer stilisierten Figur. Der eiförmigem Kopf trägt ein simples Strichgesicht und geht direkt in der Körper über, der mit einem gegürteten Waffenrock bis in Kniehöhe bekleidet ist. Auffällig ist ein schräger Schultergurt für eine mögliche Blankwaffe auf der rechten Seite. Die Gliedmaßen sind anatomisch realistisch dargestellt. Die rechte Hand greift zu einem kreuzartigen Gebilde, das wesentlich flauer neben der Figur eingeritzt ist. Die spiegelsymmetrische Anordnung und die durchweg langen Arme sprechen gegen ein Schwert, da eine Parierstange im Vergleich zur Klinge kürzer ausfällt und immer nah am Griff angebracht ist. Bemerkenswert sind Gravuren oder natürliche Relieflinien, die in die Komposition einbezogen sind und die Teile der Figur wie die beiden Gürtel, Schulter- oder Armlinien oder einzelne Finger zu verlängern scheinen. Aufgrund der Darstellung des Gesichts, der abgebildeten Attribute und dem unmittelbaren Lagebezug zur Burg wird von einer frühen Datierung ausgegangen.

Florian Innerhofer/Anja Kaltofen (05.07.2022)/Cornelia Schuricht

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Arnstein, Ottendorfer Raubschloss | OTF-13

Fundstellen-Beschreibung:

Eine Felsenburg auf einer langgestreckten Gruppe von Bergen. Sie liegen zwischen dem Fluss Kirnitzsch und dem Ottendorfer Dorfbach. Die Felsenburg wurde wahrscheinlich im späten 14. Jahrhundert gebaut. 1436 wurde über die Burg das erste Mal in einer Urkunde geschrieben. 1451 wurde die Burg völlig zerstört. In der heutigen Zeit kann man noch Reste der Burg sehen: aus dem Felsen gehauene Fundamente von Holzbauten, ein Wasserbecken, verschiedene Steintreppen und in die Felswände eingeritzte Bilder.

Felsenburg auf einem langestreckten Bergmassiv im Zwickel zwischen der Kirnitzsch und dem Ottendorfer Dorfbach. Die vermutlich im späten 14. Jahrhundert errichtete Burg wurde erstmals 1436 erwähnt und um 1451 endgültig zerstört. Auf den verschiedenen Plateaus lassen sich noch zahlreiche Strukturen wie die aus dem Felsen herausgearbeiteten Substruktionen der Holzbebauung, eine Zisterne, unterschiedliche Steintreppen sowie einige Felsbilder finden.

Fundstellen-Typ:

Befestigte Anlage

Befund

Befund-Beschreibung:

Die Figur ist am unteren Teil der höchsten Erhebung der Felsenburg, genau an der südöstlichen Seite. Wahrscheinlich stand dort der Wohnturm der Felsenburg.

Felsgravur an der Südostseite des Gipfelsockels, der mit dem mutmaßlichen Wohnturm in Verbindung gebracht wird.

Scanner:

Digitalkamera | SfM (structure from motion) | 0,72mm

Literatur

Anne Müller/Matthias Weinhold, Felsenburgen der Sächsischen Schweiz. Neurathen – Winterstein – Arnstein. Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa Bd. 23 (Regensburg 2010) 37–47.

Eigentümer/Nutzungsrecht

Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz
AKode:OTF-13

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