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Pilgerzeichen

Fundort: Plauen (Plauen, Vogtlandkreis)
Datierung: Mittelalter | Spätmittelalter | 1270 - 1330 n. Chr.
Material: Metall
Fundgegenstand: Sakraler Gegenstand, Pilgerzeichen

Objektbeschreibung:

Eine ovale Plakette, die oben und unten spitz zuläuft. Sie hat die Form einer Mandel. Die Plakette ist aus Weißmetall. Das ist eine Mischung aus Blei und Zinn.

Auf der Plakette ist die Muttergottes Maria zu sehen. Sie sitzt auf einem Stuhl mit gepolsterten Armlehnen. Auf ihrem linken Knie sitzt das Jesuskind. Mit der linken Hand hält Maria das Kind. In der rechten Hand hält sie ein Lilienzepter. Maria und das Jesuskind tragen einen Heiligenschein. Das Christuskind hat die rechte Hand zum Segen erhoben.

Die beiden Figuren sind von einem mandelförmigen Glorienschein – einer Mandorla – umgeben. Die Mandorla sieht aus wie eine Perlenkette. Rund um die Plakette ist die Inschrift: SIGILLVM : BEATE MARIE : DE ROCAMADOR. Das bedeutet: Abzeichen der seligen Maria von Rocamadour.

DE ROCAMADOR zeigt, woher das Pilgerzeichen stammt: der Ort Rocamadour liegt im Südwesten von Frankreich. Seit dem 12. Jahrhundert war das ein wichtiger Wallfahrtsort. Viele Pilger kamen nach Rocamadour wegen der wundertätigen Schwarzen Madonna. Das ist eine kleine Figur der Muttergottes, die aus Holz geschnitzt ist. Die Figur ist bis heute erhalten.

Viele Pilger wollten eine Erinnerung an ihre Wallfahrt mitnehmen. Deshalb wurden sehr viele von diesen Pilgerzeichen hergestellt. Sie wurden mit den vier Ösen an der Kleidung festgenäht. So konnte jeder sofort erkennen, dass der Mensch ein Pilger war. Damit waren die Pilger auf den gefährlichen Wegen ein wenig geschützt.

Spitzovale Plakette aus Weißmetall mit der thronenden Maria, die auf einem Stuhl mit gepolsterten Armlehnen sitzt. Die bekrönte Muttergottes trägt ein wallendes Gewand und stützt mit der linken Hand das auf ihrem Oberschenkel sitzende Jesuskind, in der rechten hält sie ein Lilienzepter. Beide Figuren tragen einen Heiligenschein. Christus hat als „Salvator Mundi“ die rechte Hand zum Segen erhoben. Die Figurengruppe wird von einer Mandorla umkränzt, die aus einem doppelten Perlrand besteht und die Form für die Plakette vorgibt. In diesen Rahmen ist die Inschrift SIGILLVM : BEATE MARIE : DE ROCAMADOR eingefügt, die auf die Herkunft des Pilgerzeichens verweist. Rocamadour liegt im Departement Lot im Südwesten Frankreichs und war seit dem 12. Jahrhundert ein wichtiger Wallfahrtsort, der von vielen Pilgern wegen der wundertätigen schwarzen Madonna aufgesucht wurde. Verehrt wird als Gnadenbild eine kleine, aus Holz geschnitzte Skulptur der thronenden Maria. Pilgerzeichen entstanden aus dem Bedürfnis der Menschen, eine Erinnerung an ihre Wallfahrt mitzunehmen und wurden ab dem Hochmittelalter in großen Mengen hergestellt und an die Pilger verkauft. Sie wurden an der Kleidung oder der Kopfbedeckung getragen, wofür auch die vier Ösen der vorliegenden Medaille dienten. Neben ihrer Funktion im Glauben kennzeichneten die Pilgerzeichen die Reisenden als Wallfahrer und boten ihnen einen gewissen Schutz. Die flach gegossenen Plaketten von Rocamadour werden auch als „Sportellen“ bezeichnet.

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Schulberg | PL-04

Fundstellen-Beschreibung:

Grabung an der Stadtmauer aus dem Mittelalter westlich des Flusses Syra. Die Grabung war von August 1994 bis Januar 1995.

Grabungen im Stadtgebiet an der mittelalterlichen Stadtmauer unmittelbar westlich der Syra von August 1994 bis Januar 1995.

Fundstellen-Typ:

Stadtkern

Befund

Befund-Beschreibung:

Das Pilgerzeichen war ein Einzelfund. Es lag in einer Schicht, die durch das Einebnen des Geländes entstanden ist.

Befund 3072: Streufund aus einer Planierschicht.

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 125mm | Streifenlicht | 0,06mm

Literatur

Birgit Franke, Mittelalterliche Wallfahrt in Sachsen. Ein Arbeitsbericht. Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Bodendenkmalpflege 44, 2002, 305 f. Abb. 2.
Gordon Milne/Markus Reichel/Martina Bundszus/Uta Böddiker, Von Rittern und Gerbern. Stadtkernarchäologie in Plauen. Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen 3, 1995, 146–150.
Cornelia Rupp (Bearb.), Pilgerzeichen. In: Der Fund (Dresden 2007) 126 f.

Eigentümer

Landesamt für Archäologie Sachsen, Ausstellung: smac | 360°
AAS:00059425

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