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Görlitzer Schekel

Fundort: Dresden Altstadt I (Dresden, Dresden Stadt)
Datierung: Neuzeit | Neuzeit | 1500 - 1850 n. Chr.
Material: Zinn
Fundgegenstand: Münzen

Objektbeschreibung:

Auf der Vorderseite der Medaille ist ein schlanker, sanduhrförmiger Kelch mit konischer Schale und glockenförmigem Fuß mit verbreiterter Standfläche abgebildet. Aus der Kuppa steigen zwei Rauchfahnen auf, die sich zum Rand schlängeln. Dieser ist umlaufend in hebräischer Quadratschrift verziert: שקל ישראל. Dies bedeutet „Schekel von Israel“. Die Rückseite zeigt einen geradlinigen Spross mit acht asymmetrischen Seitenästen, die jeweils in einzelnen Blättern enden. Die Übersetzung der umlaufenden Inschrift ירושלימ הקדושה bedeutet „Jerusalem die Heilige“. Bei dem Stück handelt es sich um einen „gefälschten Schekel“, der seit dem späten Mittelalter als frommes Andenken an die dreißig „Silberlinge“ erinnern sollte, für die Judas Iskariot Jesus im Garten Getsemani an die Tempelwache verraten hatte. Als Vorbild für diese Prägungen dienten Silberschekel aus der Zeit des Jüdischen Aufstandes um 70 n. Chr. Diese umgedeuteten Schekelmedaillen bedienten eine große Nachfrage an Devotionalien, die an Stätten und Geschehnisse des im Neuen Testament bezeugten Leben Jesu erinnern sollten. Görlitz mit seiner kurz vor 1500 entstandenen Nachbildung des Heiligen Grabes war ein Zentrum der Herstellung dieser Medaillen, die bis in heutige Zeit geprägt und an dem historischen Anlage mit Kapellen und Landschaftselementen ausgegeben werden.

Gabriele Wagner/Florian Innerhofer (13.07.2022)

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

An der Herzogin Garten | DD-215

Fundstellen-Beschreibung:

Areal des ehemaligen Herzogin Garten nordwestlich des Zwingers und südwestlich der Ostra-Allee. Die Grabungen im ersten Halbjahr 2014 erbrachten vor allem neuzeitliche Befunde von gärtnerisch genutzten Gebäuden sowie Erkenntnisse zum Weißeritzmühlgraben, der auf dem Gelände parallel zur Ostra-Allee angelegt war.

Fundstellen-Typ:

Vorstadtsiedlung

Befund

Befund-Beschreibung:

Befund 45: Streufund aus der Verfüllung des Weißeritzmühlgrabens.

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C8 75mm | Streifenlicht | 0,02mm

Literatur

Bruno Kisch, Shekel Medals and False Shekels. Historia Judaica III/2 (New York 1941).
Gabriele Wagner, Görlitzer Schekel – Judaslohn, Fälschung, frommes Andenken. Archæo 18, 2021, 47–53.

Eigentümer/Nutzungsrecht

Landesamt für Archäologie Sachsen
AAS:00301753

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