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Maskenfibel

Fundort: Pratzschwitz (Pirna, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Datierung: Vorrömische Eisenzeit | Bodenbacher Gruppe (Lt A) | 450 - 430 v. Chr.
Material: Bronze
Fundgegenstand: Fibel

Objektbeschreibung:

Eine Nadel zum Zusammenhalten der Kleidung - eine Fibel. An der vorderen Seite ist das Gesicht eines Mannes. Es hat hervortretende Augen und spitze Ohren, die aussehen wie Blasen. Trotzdem ist das Gesicht sehr natürlich. Unter der Nase kann man einen kleinen Schnauzbart erkennen. Am Kinn und auf den Wangen ist ein Dreitagebart. Auf dem Kopf hat der Mann einen spitzen Hut. Der Hut ist mit Linien verziert. Er bildet den Bügel der Nadel. Das Ende des Bügels ist nach oben gebogen. Auf dem Ende sitzt der Kopf eines Tieres, ein Hund oder ein Wolf. Der Kopf des Tieres hat auch hervortretende Augen. Die Schnauze sieht aus wie die Nüstern eines Pferdes. Trotzdem sieht auch der Kopf des Tieres sehr natürlich aus. Er schaut in die gleiche Richtung, wie das Gesicht des Mannes. An den nicht sehr deutlich dargestellten Fangzähnen und den spitzen Ohren kann man ein Raubtier erkennen. Das Fell des Tieres ist durch Linien im Muster eines Tannenzapfens dargestellt. Diese Muster haben auch andere Funde aus dieser Zeit. Besonders ist, dass das Tier eine geflochtene Mähne hat. Unter dem Kopf des Mannes ist eine Spirale zu sehen. Die Enden der Spirale sind besonders sorgfältig gearbeitet. Es sieht aus, als würde die Spirale um den Hals des Mannes geschlungen sein. Es könnte ein Torques sein, ein typischer Schmuck von keltischen Kriegern.

Damit ist die Nadel ein gutes Beispiel für den frühen Stil der keltischen Kunst in der Latènezeit. Die Verzierungen zeigen einen Einfluss der Hallstattkultur.

Zweigliedrige, im Bügel hohl gearbeitete Maskenfibel mit gestrecktem, großflächigem menschlichem Gesicht als Kopfpartie. Das männliche Antlitz ist mit Ausnahme der großen, hervortretenden Augen und blasenförmigen Spitzohren sehr naturalistisch gearbeitet. Unterhalb der Nase ist ein kleiner Schnauzbart erkennbar und auf den Wangen sowie dem Kinn ein Dreitagebart. Der in den Bügel übergehende Kopf ist mit einem Spitzhut bedeckt, der lediglich ornamental mit Linien und Kreuzschraffur angedeutet wird. Auch der Fibelfuß ist vollplastisch gearbeitet und stellt einen in Blickrichtung des Gesichts ausgerichteten Caniden, also Wolf oder Hund, dar. Auch hier sind die Details mit Ausnahme der großen hervortretenden Augen und der eher pferdeartigen Nüstern sehr naturgetreu gehalten. Die angedeuteten Fangzähne und kleinen Spitzohren lassen das Raubtier erkennen. Das Fell ist als gescheiteltes Tannenzweigmuster ausgeführt, was zeitgenössischen Vorbildern entspricht. Etwas ungewöhnlich ist die Darstellung einer Art geflochtener Mähne. Die Fibel zeigt eine sehr sorgfältig ausgeführte Spiralkonstruktion mit profilierten Achs-Endknöpfen und einer unteren Sehne, die den Bügelansatz umschlingt und so den Torques, den typischen Halsschmuck keltischer Krieger, andeutet. Stilistisch ist das hervorragend gearbeitete Stück ein gutes Beispiel für den frühen Stil der keltischen Kunst zu Beginn der Latènezeit mit deutlichen Einflüssen der durch geometrische Ornamente geprägten Hallstattkultur.

Florian Innerhofer (05.07.2022)/Cornelia Schuricht

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Kiesgrube Pratzschwitz | PRZ-65

Fundstellen-Beschreibung:

Ein großes Siedlungsgebiet aus der jüngeren Bronzezeit bis in die mittlere Vorrömische Eisenzeit. Das Gebiet befindet sich östlich der Mündung der Wesenitz in die Elbe. Die Grabung war 2018.

Größeres mehrperiodiges Siedlungsareal (v.a. jüngere Bronzezeit bis mittlere Vorrömische Eisenzeit) im Bereich der Niederterrassenkante zur Elbe hin auf dem Geländesporn östlich der Wesenitzmündung (Grabungskampagne von 2018).

Fundstellen-Typ:

Siedlung

Befund

Befund-Beschreibung:

Einzelne Gefäße am Rand eines rechteckigen, tiefen Befundes. Durch Baggerarbeiten war der Fund nicht mehr im ursprünglichen Zustand.

Der kleine Topf mit zwei Henkeln war wahrscheinlich mit einer Schale abgedeckt. In dem Topf lagen mehrere Schmuckstücke: drei Fibeln, ein Kettencollier und sehr viele Perlen. Die Schmuckstücke waren in einem Stoffbeutel. Der Beutel war wahrscheinlich mit zwei Eisenringen verschlossen.

Es ist möglich, dass das Gefäß mit dem Inhalt ein Depotfund ist.

233: Einzelne, durch den Bagger gestörte Gefäßniederlegung im Randbereich eines rechteckigen, tiefen Befundes ohne weitere Auffälligkeiten. Der kleine Zweihenkeltopf war vermutlich mit einer Deckschale abgedeckt und enthielt eng gepackt ein reiches Schmuckensemble aus drei Fibeln, einem Kettencollier und einer großen Menge an Perlen. Die Pretiosen befanden sich in einem Stoffbeutel, der wohl mit zwei Eisenringen verschlossen war. Möglicherweise ist das Ensemble als Depotfund anzusprechen.

Fundzusammenhang:

Die Fibel lag im Topf. Die Nadel der Fibel war geöffnet.

Die Fibel lag mit geöffneter Nadel im Henkeltopf.

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 200mm | Streifenlicht | 0,02mm

Literatur

Ingo Kraft, Einzigartiger Keltenfund. Archæo 16, 2019, 55.
Ingo Kraft/Wolfgang Ender/Gabriele Wagner, Der Schmuckfund von Pratzschwitz. Eine keltische Schmuckausstattung vom Elbübergang bei Pirna in Sachsen (Dresden 2020).

Eigentümer/Nutzungsrecht

Landesamt für Archäologie Sachsen
AAS:00347361

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