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Joch eines Kettencolliers

Fundort: Pratzschwitz (Pirna, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
Datierung: Vorrömische Eisenzeit | Bodenbacher Gruppe (Lt A) | 500 - 430 v. Chr.
Material: Bronze
Fundgegenstand: Ring-, Arm- und Beinschmuck, Halskette

Objektbeschreibung:

Stück eines Kettencolliers, das hinten am Hals aufliegt – ein Joch.

Das Stück besteht aus einer Hülse aus Blech. Die Hülse ist zu einem Halbkreis gebogen.

Innen berühren sich die Kanten der Hülse. Sie waren wahrscheinlich mit einem gelöteten Blechstreifen abgedeckt.

Außen an dem Joch ist in der Mitte eine wulstige Linie. Die Linie teilt die Verzierungen auf dem Joch in zwei Flächen. Die Verzierungen sind senkrechte Rillen und Kreise mit einem Punkt in der Mitte. Sie sind in regelmäßigen Abständen an der Linie angeordnet.

Die Enden des Jochs sind offen. Dort sind Ösen zu sehen, die durch Nieten gehalten werden. In den Ösen ist ein Ring. Der Ring hat fünf einzelne Ketten gehalten. Die Ketten waren aus Bronze. Die Ketten können nicht gezeigt werden. Wegen ihrer Beweglichkeit konnte der Scanner sie nicht erfassen. Der Stil des Kettencolliers passt in die Zeit der Hallstattkultur.

Wahrscheinlich ist die Kette das älteste der Schmuckstücke, die man in Pratzschwitz gefunden hat. Sie hatte mehrere Reparaturen an den einzelnen Ketten. Außerdem wurden später Kettenverteiler angebracht. Sie sollten die einzelnen Ketten voneinander trennen.

Halsstück oder Joch eines Kettencolliers, das aus einer röhrenförmigen, zu einem Halbkreis gebogenen Blechhülse gearbeitet ist. Die Stoßkanten am inneren Durchmesser berühren sich und sind mit einem vermutlich gelöteten Blechsteifen abgedeckt. Die Außenseite zeigt einen prägnanten Mittelgrat, der die Verzierung in zwei Zonen teilt. Diese besteht aus Strichgruppen und Kreisaugenfeldern, die über den Mittelgrat symmetrisch angeordnet sind. In den offenen Enden des Jochs befinden sich die mit Nieten befestigten Haltekonstruktionen für die ursprünglich jeweils fünf Kettenstränge aus Bronzeringen. Diese können wegen ihrer Geschmeidigkeit vom Scanner nicht erfasst werden. Stilistisch passt das Stück mit seiner streng geometrischen Zier besser in die Hallstatt- als in die Laténekultur. Vermutlich handelt es sich um das älteste Stück des Schmuckensembles, wofür auch die mehrfachen Reparaturen an den Kettensträngen und die Ergänzungen mit Kettenverteilern sprechen.

Florian Innerhofer (05.07.2022)/Cornelia Schuricht

Fundstelle

Fundstellen-Ort:

Kiesgrube Pratzschwitz | PRZ-65

Fundstellen-Beschreibung:

Ein großes Siedlungsgebiet aus der jüngeren Bronzezeit bis in die mittlere Vorrömische Eisenzeit. Das Gebiet befindet sich östlich der Mündung der Wesenitz in die Elbe. Die Grabung war 2018.

Größeres mehrperiodiges Siedlungsareal (v.a. jüngere Bronzezeit bis mittlere Vorrömische Eisenzeit) im Bereich der Niederterrassenkante zur Elbe hin auf dem Geländesporn östlich der Wesenitzmündung (Grabungskampagne von 2018).

Fundstellen-Typ:

Siedlung

Befund

Befund-Beschreibung:

Einzelne Gefäße am Rand eines rechteckigen, tiefen Befundes. Durch Baggerarbeiten war der Fund nicht mehr im ursprünglichen Zustand.

Der kleine Topf mit zwei Henkeln war wahrscheinlich mit einer Schale abgedeckt. In dem Topf lagen mehrere Schmuckstücke: drei Fibeln, ein Kettencollier und sehr viele Perlen. Die Schmuckstücke waren in einem Stoffbeutel. Der Beutel war wahrscheinlich mit zwei Eisenringen verschlossen.

Es ist möglich, dass das Gefäß mit dem Inhalt ein Depotfund ist.

233: Einzelne, durch den Bagger gestörte Gefäßniederlegung im Randbereich eines rechteckigen, tiefen Befundes ohne weitere Auffälligkeiten. Der kleine Zweihenkeltopf war vermutlich mit einer Deckschale abgedeckt und enthielt eng gepackt ein reiches Schmuckensemble aus drei Fibeln, einem Kettencollier und einer großen Menge an Perlen. Die Pretiosen befanden sich in einem Stoffbeutel, der wohl mit zwei Eisenringen verschlossen war. Möglicherweise ist das Ensemble als Depotfund anzusprechen.

Fundzusammenhang:

Das Kettencollier lag eng zusammengepackt im Topf. Zwei angerostete Eisenringe gehören nicht dazu. Mit den Eisenringen war wahrscheinlich der Stoffbeutel verschlossen.

In dem Stoffbeutel lag auch das Collier.

Das Kettencollier befand sich eng gepackt im Henkeltopf. Zwei ankorrodierte Eisenringe gehören nicht zum Schmuckstück, sondern könnten die Verschlussringe des Stoffbeutels repräsentieren.

Scanner:

Aicon smartSCAN-HE C5 200mm | Streifenlicht | 0,02mm

Literatur

Ingo Kraft, Einzigartiger Keltenfund. Archæo 16, 2019, 55.
Ingo Kraft/Wolfgang Ender/Gabriele Wagner, Der Schmuckfund von Pratzschwitz. Eine keltische Schmuckausstattung vom Elbübergang bei Pirna in Sachsen (Dresden 2020).

Eigentümer/Nutzungsrecht

Landesamt für Archäologie Sachsen
AKode:PRZ-65

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